Umweltgeschichte

Der Erste Weltkrieg verhalf dem Erdöl zum Durchbruch

Der Zugang zu Erdöl bestimmt große Teile der heutigen Geopolitik. Seinen Ausgangspunkt nahm der Kampf ums Erdöl nach 1914

Jochen Stadler | aus HEUREKA /19 vom 27.03.2019

Begonnen hatte der Erste Weltkrieg mit Dampfrössern, Kohlefregatten, Maultieren und Pferden. Doch bald bestimmten neben Kanonen auch Panzer, Flugzeuge und U-Boote das Kriegsgeschehen. Eine Energiewende von Kohle und Muskelkraft hin zu Erdöl machte diese Kriegsführung möglich, erklären Umwelthistoriker in ihrem Buch "Environmental Histories of the First World War". Den sogenannten Mittelmächten um Österreich und Deutschland fehlten ergiebige Erdölquellen. Auch das trug zu ihrer militärischen Unterlegenheit bei. Der Erste Weltkrieg war der Moment, in dem Erdöl zur Energiequelle "par excellence" für das gesamte 20. Jahrhundert wurde, schreibt Dan Tamir von der Universität Zürich in dem von Martin Schmid vom Zentrum für Umweltgeschichte der BOKU Wien mitherausgegebenen Buch.

Der Entente um England, Frankreich und Russland stand spätestens seit dem Kriegseintritt der USA im April 1917 fast unbegrenzt Erdöl zur Verfügung. Da die Mittelmächte zu wenig erschließen konnten, legte Treibstoffmangel ihre Panzer und U-Boote bald lahm. Sie gaben es deshalb schließlich auf, neue zu bauen. Nach Kriegsende nahm Erdöl immer mehr Einfluss auf das tägliche Leben der Menschen. "Die Muskeln der Menschen und Tiere wurden durch Motoren ersetzt", schreibt Tamir. Und "hundert Jahre später zieht das Öl kleine wie große Mächte in den Krieg", erklärt Schmid.

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