WISSENSCHAFTSKOMMUNIKATION

So klingt die Wissenschaft im Ohr, wenn sie aus einem Podcast tönt

In der Wissenschaftskommunikation gewinnen auch Podcasts an Bedeutung. Hier stellen wir einige österreichische vor

Lisa Krammer | aus HEUREKA /19 vom 27.03.2019

Podcasts sind großteils frei verfügbare Audiobeiträge, die auf einem beliebigen Gerät mit Internetzugang abonniert und auch heruntergeladen werden können. Das Wort setzt sich aus "iPod" (MP3-Player von Apple) und "Broadcast" (Übertragung) zusammen. Diese Audioinhalte gelangen mittels iTunes oder Streamingdienste wie Spotify und SoundCloud ins Ohr. Auch Wissenschaftsinstitutionen und einzelne Wissenschafter haben dieses Medium für ihre Kommunikation entdeckt. Dazu benötigt man an Hardware einen Rekorder mit Mikrofon, an Software ein Aufnahme-und ein Schnittprogramm sowie Webspace.

Seit einigen Jahren verschaffen sich immer mehr Wissenschafts-und Bildungspodcasts Gehör, die gezielt als Kommunikationstool eingesetzt werden. Um die Bandbreite dieser Educasts im deutschsprachigen Raum hörbar und dafür zuallererst einmal auffindbar zu machen, bietet die Website Wisspod einen Überblick über die Welt der Wissen(schaft)spodcasts.

Eines der größten Wissenschaftsarchive zur Philosophie Unter den heimischen Wissenschaftspodcasts findet man auch einen zur Philosophie. Die "Philosophische Audiothek" gilt als eine der größten philosophischen Wissenschaftsarchive im deutschsprachigen Raum. Dahinter steht eine Gruppe am Institut für

Philosophie der Universität Wien. Sie engagiert sich für die niederschwellige Verbreitung von vielfältigen philosophischen Inhalten. Die auditive Sammlung umfasst neben der Reihe "Philosophische Brocken", die seit 2000 14-tägig auf Radio Orange ausgestrahlt wird, auch Tagungsberichte, Vorträge und Vorlesungsmitschnitte. Sie werden von Lehrenden oder Studierenden aufgezeichnet. Ausschlaggebend dafür war ein Erlebnis des Gründers des Podcasts Herbert Hrachovec im Jahr 2005: "Ich hielt eine Vorlesung und hatte sieben Rekorder vor mir. Das kann man auch vereinfachen, dachte ich." So kam es zur Einrichtung der Philosophischen Audiothek. Mittlerweile hat sich die Technik weiterentwickelt, erklärt Hrachovec: "In den Anfangsjahren war es beispielsweise nicht möglich, eine ganze MP3-Sendung mit achtzig bis neunzig Megabyte über das Telefon zu beziehen."

Der Podcast der Universität Wien: Podcast Audimax An der Universität Wien gibt es den Audimax Podcast seit Juni 2016. Hier können Wissenschafter ihre Passion für die Forschung, ihre persönliche Geschichte dazu und die etwaigen Umwege dazwischen hörbar machen. Verantwortlich dafür ist Theresa Dirtl, Redakteurin des uni:view-Magazins. Es sei eine große Herausforderung, nach einem Gespräch "die geschilderten Anekdoten und die Begeisterung der Forschenden in eine 4.500 Zeichen umfassende Geschichte zu bringen", erklärt sie. Da bietet ein Podcast wesentlich mehr Raum. Außerdem sei "ein geschriebener Artikel etwas anderes, als wenn jemand selbst in eigenen Worten mit ein bisschen Dialekt-anklang davon erzählt", meint die Journalistin.

Mittlerweile werden Educasts für Recherchezwecke nutzbar gemacht und mittels zusätzlich erstellter Transkriptionen als Zitationsquelle herangezogen. In einer stark visuellen, schnelllebigen Welt kommt dem bewussten Hören ein besonderer Stellenwert zu. "Es findet ganz im Hier und Jetzt statt und schult unsere Aufmerksamkeit im Moment", erklärt Ania Mauruschat, Literatur-und Medienwissenschafterin an den Universitäten Basel und Wien. Zugleich können uns Podcasts "dank unseres Vorstellungsvermögens in Nullkommanichts in völlig andere Welten katapultieren."

Wissenschaftspodcasts Überblick: wissenschaftspodcasts.de Philosophie: audiothek.philo.at Universität Wien: medienportal.univie.ac.at/uniview/podcast-audimax Die Stimme[n] der Sprache: mundartpodcast.at

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