GEDICHT

AUS: LES CONTEMPLATIONS

aus HEUREKA /19 vom 22.05.2019

Victor Hugo "Les Contemplations". Victor Hugos (1802-1885) einhundertsechsundfünf zig Gedichte umfassender Versuch einer Autobiographie in Versen wurde 1856 veröffentlicht.

Ich liebe die Spinne, ich liebe die Brennnessel, weil man sie hasst; ihren düsteren Wunsch, dass keine Gnade, alles Züchtigung ist;

weil sie verdammte, erbärmliche, schwarz kriechende Wesen, weil sie traurige Gefangene ihres Hinterhalts sind;

weil sie verstrickt sind in ihr Werk;- ach, welches Geschick! Fatale Knoten! -weil die Brennnessel eine Natter und die Spinne eine Bettlerin ist;

weil sie den Schatten des Abgrunds tragen, weil man sie flieht, weil beide Opfer der dunkelsten Nacht sind

Passanten, gewährt der obskuren Pflanze und dem miserablen Tier Gnade. Bedauert die Hässlichkeit, bedauert die Stiche. Ach! Bedauert das Böse!

Nichts ist, das nicht voller Schwermut ist; alles will einen Kuss. Voll wildem Entsetzen, da einer verschmäht, sie zu vernichten,

da ein Blick von geringerem Hochmut sie trifft, ganz unten, fern vom Tage murmeln sie - das widerliche Tier und das Unkraut: Liebe!

(Übersetzung: Erich Klein)

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