BRIEF AUS BRÜSSEL

Frauenanteil Im Balkonstaat

EMILY WALTON | aus HEUREKA /19 vom 22.05.2019

Wie man Frauen und Männern gerecht wird und für (eine Annäherung an) Geschlechtergerechtigkeit sorgt, ist in Brüssel ein Dauerthema, nicht zuletzt bei der Besetzung und Struktur der EU-Institutionen selbst. So gibt es etwa seit nunmehr 15 Jahren eine sogenannte "Hochrangige Gruppe für die Gleichstellung der Geschlechter und Vielfalt im EU-Parlament". Ihr Ziel: "Förderung und Umsetzung des Gender-Mainstreamings" im Parlament "sowie Förderung der Werte Gleichstellung und Diskriminierungsverbot" in der Parlamentsverwaltung. Beim Frauenanteil unter den Abgeordneten ist ein deutlicher Trend zu immer mehr Frauen erkennbar, wenngleich es gemächlich dahingeht: Seit 2014 liegt man knapp über 35 Prozent.

Manfred Weber, Kandidat der Europäischen Volkspartei für das Amt des Kommissionspräsidenten, setzt da gleich etwas höher an: Sollte er es schaffen, nach der Wahl Nachfolger von Jean-Claude Juncker als Chef der Brüsseler Behörde zu werden, wolle er seine Kommission zur Hälfte mit Frauen besetzen. Bei der Bildung der neuen Kommission sei es an der Zeit, die Gleichberechtigung von Mann und Frau "endlich durchzusetzen", sagt Weber. Ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt, dass es womöglich nicht ganz einfach werden könnte, dieses lobenswerte Vorhaben in die Tat umzusetzen: Schon Junckers Kommission hätte nach der letzten Europawahl im Jahr 2014 mit einem Frauenanteil von zumindest vierzig Prozent gebildet werden sollen. In der ersten Nominierungswelle schlugen die EU-Staaten jedoch nur zwei Frauen für die -neben Juncker -27 verbleibenden Kommissarposten vor. Nach einigem Hin und Her pendelte man sich schließlich bei einem Anteil von insgesamt knapp einem Drittel mit neun Kommissarinnen ein.

Immerhin tut sich in der Kommission etwas hinter den Kulissen: Auf der Ebene der stellvertretenden Generaldirektoren ist die Frauenquote seit 2014 von acht auf 43 Prozent in die Höhe geschnellt; bei den Abteilungsleitern ist sie von 31 auf 41 Prozent gestiegen. Eine Frau ganz oben an der Spitze wäre aber auch nach dieser Wahl eine Überraschung: Mit Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager haben die Liberalen zwar eine prominente und qualifizierte Kandidatin. Es wäre aber eine Überraschung, sollte sie die erste Kommissionschefin werden -und nicht Weber der dreizehnte Mann in dieser Position.

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