PALÄONTOLOGIE

Eine geologische Sensation: Jurassic Park reloaded?

Der lange Zeit geheim gehaltene Fund eines US-Paläontologen zwingt uns, unser Bild von den Dinosauriern zu revidieren

SABINE EDITH BRAUN | aus HEUREKA /19 vom 22.05.2019

Vom mexikanischen Yukatán bis in den heutigen US-Bundesstaat Nord-Dakota in wenigen Minuten: Diesen Weg legte vor 66 Millionen Jahren die Flutwelle eines durch einen Meteoriteneinschlag ausgelösten Megatsunamis zurück. Sie überzog den Erdball mit einer Schicht aus Sedimentgestein: "Tonstein". Und sie markiert den Übergang vom Erdmittelalter (Kreidezeit) zur Erdneuzeit (Paläogen). Als Kreide-Paläogen-Grenze, oder kurz: KPg bezeichnet die Wissenschaft diese bis zu neun Meter dicke Schicht von Meeresablagerungen entlang der mexikanischen Golfküste und in der Karibik.

Der Einschlag des Meteoriten mit zehn Kilometern Durchmesser hatte ein Massenaussterben zur Folge. Die prominentesten Opfer waren die Dinosaurier. Es verschwanden aber ebenso Wirbeltiere wie Fische, Amphibien, Reptilien oder Vögel wie auch ganze Gruppen von wirbellosen Tieren, etwa Würmer, Quallen, Schwämme und Gliederfüßer.

Obwohl der Meteoritenkrater 1991 im mexikanischen Chicxulub Puerto gefunden wurde, blieben die genauen Umstände des Massenaussterbens ungewiss. Für stichhaltige Beweise fehlte es an durch den Impact selbst entstandenen Ablagerungen.

Das könnte nun anders werden: Ein Paläontologie-Doktorand der Universität Kansas hat erstmals auf dem Festland KPg-Ablagerungen gefunden, und zwar in der "Hell-Creek-Formation" in Nord-Dakota. In dieser KPg-Schicht schlummert ein "Schnappschuss": kleinste Glaskügelchen in den Kiemen von in Bernstein eingeschlossenen Fischen, in Eiern, in Zähnen von Wirbeltieren, Skeletten und Fossilien von Festland-ebenso wie Meeresreptilien, etwa Mosasauriern. An einigen Fischfossilien befanden sich sogar Gewebereste. Teile von Bäumen sind ebenso erhalten.

Die neue "Konservat-Lagerstätte" - wie die US-Forscher den Fundort auf Deutsch bezeichnen -entstand durch einen Glasregen unmittelbar nach dem Impact, aber noch vor dem Anschwemmen der Tonsteinschicht. Dies kann helfen, die Effekte unmittelbar nach dem Impact zu verstehen, etwa, wie es genau zu dem Massensterben kam.

Der Doktorand heißt Robert DePalma (und ist mit dem Regisseur Brian De Palma (sic!) verwandt).

Er hat 2015 am Fundort große Mengen an Saurierknochen, vor allem aber auch an Federn entdeckt. Trugen Raptoren Federn? Einer der wenigen, die DePalma über seinen gefiederten "Dakotaraptor" informierte, war der Bestsellerautor Douglas Preston, der zur Impact-These und über Dinosaurier Bücher geschrieben hatte. Dummerweise war DePalma, wie der New Yorker in einer großen Geschichte schildert, damals ein Fehler unterlaufen: Bei der Dakotaraptor-Rekonstrution war ihm ein Schildkrötenknochen hineingerutscht, wofür es Schelte und Häme aus der Scientific Community gab. Ist das der Grund, warum der Feder-Dino in dem KPg-Paper von 2019, das im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) erschienen ist, keine Erwähnung findet? Auf eine Interviewanfrage reagierte DePalma nicht.

Die Community verhält sich noch vorsichtig. "Ich hoffe, es passt alles", wird etwa der Geologe Thomas Tobin von der University of Alabama in einem Artikel von Colin Barras auf der Website des Magazins Science zitiert.

Das PNAS-Paper ist voll mit Details aus Paläontologie, Sedimentforschung, Geochemie und anderem. "Niemand ist auf all diesen Gebieten ein Experte", sagt Tobin. "Es wird ein paar Monate dauern, bis das alles überprüft ist."

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige