VERKEHRSFORSCHUNG

Vorausdenkende Ampeln in Wien ersetzen Fußgängerampeln mit Drucktasten

Die Fußgängerampeln mit Drucktasten sind störanfällig. Nun sollen Ampeln mit Bewegungsmeldern Fußgängern die Straße frei machen

Claudia Stieglecker | aus HEUREKA /19 vom 19.06.2019

Eigentlich weiß man, dass es nicht schneller gehen wird -und betätigt den Druckknopf an der Fußgängerampel trotzdem noch ein paar Mal. "Ampeldrucktasten unterliegen einer großen mechanischen Abnutzung. Dementsprechend oft müssen sie ausgetauscht werden", sagt Horst Possegger vom Institut für Maschinelles Sehen und Darstellen der TU Graz. Possegger hat als Teil eines Forschungsteams im Auftrag der Stadt Wien ein Ampelsystem entwickelt, das den Kreuzungswunsch von Fußgehern automatisch erkennt. Das zentrales Element ist eine an der Ampel montierte Kamera, die Personen innerhalb eines acht mal fünf Meter großen Bereichs wahrnehmen kann. Nach Analyse des Bewegungsmusters wird bei Bedarf eine Ampelschaltung ausgelöst: "Es dauert im Schnitt zwei Sekunden, bis verlässlich klar ist, ob eine Person die Straße überqueren will." Das System arbeitet mit lernfähigen Algorithmen, deren Einschätzungen im Lauf der Zeit immer besser werden. Bilddaten werden nicht weitergegeben, die Anlage funktioniert rein lokal.

Das neue System soll an ausgewählten Standorten in Wien zum Einsatz kommen. "Im ersten Schritt wird es lediglich den Druckknopf ersetzen", so Possegger. "In weiterer Folge ist ein Ausbau der Funktionalität denkbar: Wir können zum Beispiel große Personengruppen erkennen und die Grünphase entsprechend verlängern, damit alle genug Zeit haben, die Straße zu überqueren."

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