JUNGFORSCHERINNEN

Am Institut für ökologische Ökonomie der WU Wien befassen sich diese Doktorandinnen mit großen gesellschaftlichen Fragen von der Verteilungsgerechtigkeit bis zur Klimakrise

aus HEUREKA /19 vom 19.06.2019

Stefanie Gerold, 31

"Die Klimakrise ernst zu nehmen heißt, dass wir unsere Produktions- und Lebensweise ändern müssen", sagt die Vorarlbergerin. "Das muss nicht unbedingt mit Verzicht und Entbehrungen einhergehen, es kann auch Zugewinne bringen." Etwa durch weniger Arbeitszeit. "Die so entstehenden Freiräume ermöglichen u. a. eine gerechtere Aufteilung von Erwerbs-und Hausarbeit und erleichtern nicht zuletzt einen umweltverträglichen Lebensstil." Gerold hat in Wien Volkswirtschaft und Politikwissenschaft studiert. Seit Februar ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Berufliche Bildung und Arbeitslehre der TU Berlin, nebenher beendet sie an der WU Wien ihre Dissertation zur Rolle von Arbeitszeitverkürzung und (ungleicher) Verteilung von Arbeitszeit in Bezug auf ökologische und soziale Nachhaltigkeit.

Halliki Kreinin, 27

Die gebürtige Estin ist in Budapest und Glasgow aufgewachsen. "Die Umweltbewegung hat die entscheidende Unterstützung durch die Arbeiterklasse verpasst, dabei wird die Klimakrise gerade diese am härtesten treffen", meint sie. Im Zuge ihrer Doktorarbeit an der WU Wien befasst sie sich mit Möglichkeiten, die Kluft zwischen der - historisch gesehen -bürgerlichen Umweltund der Arbeiterbewegung zu überwinden und Strategien für den gewerkschaftlichen Umweltschutz zu finden. Glasgow habe sie geprägt. "In einer Stadt mit einer so reichen Industriegeschichte zu leben, in der die Entmachtung der Arbeiter seit Thatcher zu einer unglaublich drastischen Ungleichheit und Armut geführt hat, hat mich für gewerkschaftliche Ideale sensibilisiert." Umweltkämpfe sehe sie daher als eine Frage der Gerechtigkeit.

Sigrid Svehla-Stix, 36

"Klimaziele kann man rascher erreichen, wenn man dabei soziale Aspekte und Verteilungsfragen berücksichtigt", sagt die Wienerin. Unter diesem Gesichtspunkt nimmt sie umweltpolitische Instrumente unter die Lupe. Dazu gehört auch die Frage, welche geografischen Gebiete oder Bevölkerungsschichten besonders vom Wandel betroffen sind und warum. Wie etwa vom Emissionshandelssystem der Europäischen Union. "Ich möchte herausfinden, welche Regionen in der zweiten Phase des EU-Emissionshandels von 2008 bis 2012 Nettoempfänger bzw. -händler waren, und ob sich die Handelsmuster über die Zeit geändert haben." Anhand der Ergebnisse sollen Empfehlungen an die Politik abgeleitet werden. Neben der Forschung für ihre Dissertation an der WU arbeitet die Ökonomin seit vielen Jahren beim Umweltbundesamt.

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