MEDIZIN

Mit Cannabis aus der Schmerzspirale?

Cannabinoide können auch bei chronischen Schmerzen helfen

Dieter Hönig | aus HEUREKA /19 vom 19.06.2019

Österreich verzeichnet über 1,5 Millionen Schmerzpatienten. Rund 400.000 von ihnen leiden seit Jahren. Zu körperlichen Beschwerden kommen oft tiefe Verzweiflung sowie psychische und soziale Probleme hinzu, die den Alltag und das Berufsleben massiv beeinträchtigen. Welche positiven Ergebnisse sich mit dem gezielten Einsatz von Cannabinoiden bei manchen Patienten erzielen lassen, beobachtet Martin Pinsger täglich. Ob Multiple Sklerose, Rückenleiden, Krebs oder Migräne, in das Vöslauer Schmerzkompetenzzentrum des Facharztes für Orthopädie kommen Menschen mit unterschiedlichsten Krankheitsbildern. Nicht wenige davon haben eine jahrzehntelange Leidensgeschichte zu berichten.

"Cannabinoide schaffen eine gewisse Distanz zwischen den Patienten und seine Schmerzen, ohne jedoch eine Rauschwirkung wie beim Rauchen zu verursachen. Dieser distanzierende Effekt tritt auch dann ein, wenn die Beschwerden schon seit Jahrzehnten existieren und ist unabhängig vom Auslöser", erklärt Pinsger. Er verordnet kontrolliert Cannabismedikamente seit rund zwanzig Jahren bei bestimmten Patienten mit klar definierten Krankheitsbildern.

Der Einsatz von Cannabinoiden könne helfen, die bei chronischen Schmerzpatienten häufig verschriebenen Opioide, Antidepressiva und Antiepileptika zu reduzieren, erklärt Pinsger. Seine Erfahrungen aus Studien hat er in seinem neuen Buch "Dem Schmerz entkommen" festgehalten. Übrigens wird chronischer Schmerz von der WHO ab dem Jahr 2022 als eigenes Krankheitsbild eingestuft.

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