„Wir möchten die Fantasie der Kinder blühen lassen“

Im Gespräch mit Vanessa Url und Kordula Tornyi Gründerinnen des Eltern-Kind-Studios LUV und LEE

Kind in Wien Redaktion
09.09.2016

Foto: Luv und Lee

Frau Tornyi und Frau Url, Sie haben gemeinsam das Eltern-Kind-Studio „LUV und LEE“ im September eröffnet. Wie ist die Idee dazu entstanden?

Vanessa Url: Ich hatte gerade meinen Masterlehrgang in Kulturmanagement abgeschlossen, da erzählte mir Kordula von ihrer Idee, sich mit einer Art „Studio für Kinder“ selbstständig machen zu wollen. Sie meinte, sie würde gern einen Raum im siebten Bezirk in Wien mieten, um dort Kindergeburtstage zu veranstalten. Nachdem ich das in meinem Studiengang gerade frisch gelernt hatte, schlug ich ihr vor, einen Budgetplan zu erstellen, um zu schauen, ob das finanziell funktionieren könnte. Schnell stellte sich heraus, dass es sich niemals rentieren würde, einen Raum nur für Kindergeburtstage zu mieten. Daraufhin überlegten wir gemeinsam, was es im Angebot noch brauchen würde, um einen Ort für Kinder und deren Eltern und Großeltern schaffen zu können. Von einem wöchentlichen Treffen zum nächsten bastelten wir an dieser Idee. So wurde sie eine immer größere und auch realistischere Idee – und schließlich haben wir LUV und LEE in der Zeit von Jänner 2015 bis zur Eröffnung im September „hochgezogen“.

Welches Konzept haben Sie sich überlegt? Was sollte Ihr Eltern-Kind-Studio ausmachen und wie sollte es sich von anderen unterscheiden?

Kordula Tornyi: In erster Linie wollten wir ein Zentrum sein, ein Ort, wo sich alle Kinder mit ihren Eltern und Großeltern willkommen fühlen. Wir haben uns genau überlegt, was wir anbieten wollen, was wir vertreten können, was wir selber in diesem Bereich ansprechend finden, welche Art von Kursen Eltern in unserem Bekanntenkreis mit ihren Kindern besuchen. Zentral war auch die Frage, was uns im bestehenden Angebot fehlt. Es kristallisierte sich heraus, dass unsere Kurse einen eigenen Charakter haben sollten, einen „LUV und LEE“-Charakter. Unsere Kurse sollten verpackt sein in eine Geschichten- und ­Märchenwelt. Die Kinder sollten sich kreativ ausleben können – wir möchten die Fantasie der Kinder blühen lassen, ihre eigenen Ideen sollen gemeinsam weiterentwickelt werden und nicht unsere Ideen oder die der Eltern auf die Kinder gepresst werden. Unsere Kurse werden ganz bewusst auf das Tempo der Kinder abgestimmt, sodass unsere Kursleiter optimal auf die Kinder eingehen können. Wir sehen in anderen ähnlichen Kursanbietern keine Konkurrenz, weil wir glauben, dass die Kinder und Eltern in Wien solch ein Angebot brauchen – es wäre davon sogar noch mehr nötig. Wir versuchen unsere Vorstellungen, was Kindern guttut, im LUV und LEE auf authentische Art und Weise umzusetzen.

Welche unterschiedlichen Kurse werden im LUV und LEE für Eltern und Kinder angeboten?

Vanessa Url: Vormittags finden die Kurse für die kleineren Kinder von null bis circa drei Jahren statt, am Nachmittag veranstalten wir Kurse für größere Kinder, die meist nach dem Kindergarten zu uns kommen. Wir bieten einerseits sehr klassische Kurse an, wie zum Beispiel die Pikler-Kurse oder Krabbelkurse, in denen Kinder mit allen Sinnen entdecken, greifen und begreifen können. Mama-Baby-Yoga zählt auch zu den klassischen Kursen. Andererseits gibt es auch Kurse in unserem Angebot, die wir uns selbst ausgedacht haben, die eben, wie schon erwähnt, einen sehr kreativen Schwerpunkt haben. Geschichten werden beispielsweise mit Werkzeugen, Bastelmaterialien, Musikinstrumenten oder Bewegungen interpretiert.

Ab Herbst 2016 wird sich unser Kursangebot erweitern. Es soll zusätzlich einen Eltern-Kind-Gymnastikkurs und einen Kindergymnastikkurs mit Tanzelementen geben, wobei auch diese Kurse wieder von Fantasiereisen, Geschichten und Erzählungen begleitet werden. Bereits jetzt gibt es einen Musikkurs für Volksschulkinder, in dem eine Geschichte mithilfe der Ideen der Kinder in ein Theaterstück oder Musical verwandelt wird. Die Teilnehmer schlüpfen dabei in verschiedene Rollen und können herausfinden, welches individuelle Talent in ihnen steckt.

Lassen Sie uns genauer auf den Kurs „Süßer Sound“ eingehen. Was kann man sich darunter vorstellen und für welche Altersgruppe ist dieser Kurs gedacht?

Kordula Tornyi: „Süßer Sound“ ist ein musikpädagogischer Kurs und lädt Kinder im Alter von ein bis vier Jahren ein, in die Welt der Musik einzutauchen. Die Kinder erleben die Stunde gemeinsam mit einer ihrer Bezugspersonen und lernen verschiedene Tänze, Lieder und Fingerspiele. Das neu Erlernte wird häufig wiederholt, denn die Kleinen freuen sich, wenn sie etwas wiedererkennen und mitmachen können. Das kann für die Eltern schon einmal langweilig erscheinen, aber für die Minis ist das wirklich toll. In diesem Kurs werden auch Materialien wie Bälle, Tücher und Seile verwendet. Der Kurs wird von Valerie, einer Volksschullehrerin, geleitet, die gerade einen Master in Musikpädagogik macht. Sie hat eine wunderbare Stimme, der Kinder aller Altersgruppen gerne zuhören und die zum Mitmachen anregt.

Wie unterscheidet sich „Süßer Sound“ vom neuen Kurs „Kinder Klangraum“?

Kordula Tornyi: Der Kurs „Kinder Klangraum“ wird von Ghadi geleitet. Sie hat Musikwissenschaften studiert und ihr Zugang zu Musik ist wieder ein anderer als der von Valerie, aber ein genauso wunderbarer. Auch sie möchte ihre Leidenschaft, die Musik, an die Kinder weitergeben. Es werden von ihr ausgewählte Lieder in Deutsch und Englisch gesungen; bei Bedarf kann der gesamte Kurs auch in Englisch abgehalten werden. Die Musik steht im „Kinder Klangraum“ im Mittelpunkt, begleitend dazu wird viel getanzt und sich zur Musik bewegt. Die Kinder haben die Möglichkeit zu beobachten, aber auch mitzumachen und selbst zu agieren. Mit selbstgemachten Instrumenten musizieren und experimentieren sie und entdecken die Welt der Klänge. So soll ein spielerischer Zugang zur Musik geschaffen werden.

Nagel, Wolle, Säge“ KinderWERKraum – das klingt vielversprechend! Wie kann man sich eine Einheit dieses Kurses vorstellen?

Vanessa Url: Das ist mein ganz persönlicher Lieblingskurs! Karin, die Kursleiterin, designt unter anderem Taschen aus alten Fahrradschläuchen. Ihr Experimentieren mit ökologischen Materialien und recycelbaren Stoffen und ihre unkonventionellen Verarbeitungsmethoden bringt sie in den Kurs mit ein. Kinder von vier bis acht basteln und werken mit verschiedenen, oft alltäglich gegenwärtigen Materialien, Fundstücken und Naturstoffen wie Blüten, Wolle, Holz oder Wachs. Jeder Block hat ein Thema – zum Beispiel „Der Zauberwald“. Rund um dieses Thema wird der Raum dekoriert, Tiere und Pflanzen werden gestaltet, die Kinder basteln Masken und verkleiden sich. Alles in allem ist das ein sehr fantasievoller Kurs, bei dem die Kinder irrsinnig viele Ideen selbst mitbringen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Kursleiter aus? Was ist Ihnen dabei besonders wichtig?

Kordula Tornyi: Vorweg muss ich sagen, dass wir mit unseren Kursleitern bis dato großes Glück hatten. Bei der Auswahl gehen wir sehr intuitiv vor. Wir achten darauf, dass unsere Kursleiter selbstständig und selbstbewusst sind und ihre Kurse aus einer inneren Überzeugung heraus leiten wollen. Sie sind uns völlig gleichgestellt, es gibt keine Hierarchie. Wir haben alle dieselbe Wellenlänge, weil es so am besten gelingt, die Ideen der Kursleiter und unsere Vorstellungen in Einklang zu bringen.

Gibt es auch eine Möglichkeit für Eltern, sich im LUV und LEE auszutauschen und den Kindern nebenbei beim Spielen zuzusehen?

Vanessa Url: Eltern, aber auch Großeltern können am Dienstagnachmittag oder Freitagvormittag zu einem gemütlichen Beisammensein vorbeikommen. Man zahlt lediglich fünf Euro Spielgeld. Die Kinder spielen frei und die Eltern haben – während sie Kaffee und Kuchen konsumieren – die Möglichkeit sich auszutauschen. Das ist eine sehr wichtige Einheit für uns, weil wir gerade da viel Feedback bekommen. Es freut uns sehr, dass auch ganz viele Väter mit ihren Kindern das Eltern-Kind-Café besuchen. Häufig am Dienstagnachmittag, der für manche schon zu einem Vater-Kind-Fixtag geworden ist. Teilweise kennen sich die Kinder schon untereinander – das ist besonders lustig!


LUV und LEE – Verein zur Förderung der Kreativität von Kindern und deren Eltern
7., Bandgasse 34/Top 3, Tel. 0676/384 73 80 oder 0699/19 18 83 31
E-Mail: studio@luvundlee.at
www.luvundlee.at

Das Gespräch führte Ann-Kathrin Fischer.

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