Freude an der Natur und Wissen über die Zusammenhänge

Im ältesten Naturpark Österreichs können Familien wandern, relaxen, Wildschweine beobachten und mitunter erfahren sie auch, dass Dirndln etwas anderes sein können als ein Kleidungsstück. Im Gespräch mit Susanne Käfer vom Naturpark Sparbach

Kind in Wien Redaktion
22.09.2016

Foto: Naturpark Sparbach

Seit wann gibt es den Naturpark Sparbach?

Käfer: Der Naturpark Sparbach ist der älteste Naturpark Österreichs, er wurde 1962 eingerichtet. Fürst Johann I. von Liechtenstein hat das Areal schon um 1810 erworben und nach den Vorstellungen eines englischen Landschaftsgartens gestalten lassen. Seit damals ist das Gebiet im Besitz der Familie Liechtenstein, die bis heute den Naturpark nachhaltig nützt und bewirtschaftet.

Wie groß ist das Gelände?

Käfer: Das Areal umfasst etwa 360 Hektar. Ein Drittel davon kann besucht werden, die übrigen Flächen sind als Wildrückzugsgebiete gekennzeichnet.

Was können kleine und große Besucher in Sparbach erleben?

Käfer: Ein Naturpark ist ein Landschaftsbereich, in dem das Vier-Säulen-Modell der Österreichischen Naturparke gelebt und umgesetzt wird: Naturschutz, Bildung, Erholung und Regionalentwicklung. Die meisten unserer Besucher kommen zur Erholung. Familien mit Kindern schätzen die vielen Wanderwege und die tollen Spielplätze. Und es gibt natürlich viele Tiere!

Unsere Stars sind ganz klar die Wildschweine. Etwa 120 von ihnen laufen mit ihren Frischlingen das ganze Jahr über frei auf dem Gelände herum, manchmal verstecken sie sich auch.

Was muss man beachten, wenn man beim Wandern auf ein Wildschwein trifft?

Käfer: Wildschweine sind Wildtiere, das darf man nie vergessen! Man soll sie auf keinen Fall anfassen. Hunde und Fahrräder sind aus Rücksicht auf die Wildschweine ebenfalls nicht gestattet. Aber natürlich wollen wir unseren Gästen die Begegnung mit den Tieren ermöglichen. Deshalb gibt es unser Wildschwein Benimm. Das ist ein Comic, in dem wir auf charmante Art die Besonderheiten dieser Tiere erläutern.

Gibt es neben den Wildschweinen noch andere interessante Tiere?

Käfer: Ja, viele! Im Frühling ist der Lenauteich zum Beispiel Schauplatz der großen Amphibienhochzeit. Frösche, Kröten und Molche kommen zum Ablaichen hierher. Im Wald kann man mit ein wenig Glück Damwild beobachten, sehr selten auch Rehe. Im Kleintiergehege wohnen Kaninchen, Schafe, Ziegen und unsere Eseltruppe. In den letzten beiden Jahren wurde jeweils ein Eselfohlen geboren – jetzt sind die Esel schon zu fünft. In der „Galerie der Wildtiere“ sind Damwild und Muffelwild zu Hause, das sind Wildschafe.

Was hat die Pflanzenwelt in Sparbach zu bieten?

Käfer: Zum Beispiel Dirndln. Das ist eine Frucht, die viele nicht mehr kennen. Ich habe letzten Herbst mit einer Schulklasse ein Dirndlkernweitspucken gemacht. So konnten wir gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Kinder haben Dirndln kennengelernt und dann beim Ausspucken der Kerne zur Vermehrung dieser traditionellen Kulturpflanze auf unserem Gelände beigetragen.

Welche Angebote gibt es für Gruppen und Schulklassen?

Käfer: Wir bieten folgende Führungen an: „Waldpädagogische Führungen“, „Wasser forschen im Lenauteich und Sparbach“ sowie „Zeitreise ins Biedermeier“, wo wir ein bisschen mehr auf die Geschichte des Naturparks eingehen. Diese Angebote dauern etwa drei Stunden und können mit Würstelgrillen kombiniert werden. Für die Weiterentwicklung des Naturparks spielen die Themen des Naturschutzes eine große Rolle. Sparbach gehört zur Gänze in die Schutzgebietskategorien von Natura 2000. Um dieses Thema auch den Besuchern näherzubringen, bieten wir einerseits Veranstaltungen mit dazupassendem fachlichem Input an, andererseits kann man bei einer Führung mehr über den Naturpark und seine Aufgaben erfahren. Das nehmen vor allem Schulklassen gerne in Anspruch.

Für welche Altersgruppe sind die Angebote geeignet?

Käfer: Grundsätzlich für alle Altersgruppen ab dem Kindergarten. Besonders hervorheben möchte ich, dass unsere Angebote auch für integrative Gruppen geeignet sind.

Wer begleitet die Gruppen?

Käfer: Zertifizierte Waldpädagogen, die sich regelmäßig weiterbilden.

Welche Führungen sind besonders beliebt?

Käfer: Der Klassiker ist die „Waldpädagogische Führung“, im Sommer ist aber auch die Nachfrage nach „Wasser forschen“ recht groß. Für „Zeitreise ins Biedermeier“ müssen die Kinder schon ein bisschen älter sein, sie brauchen dazu ein wenig Verständnis und Wissen über die geschichtlichen Zusammenhänge und Auswirkungen.

Was möchten Sie den Kindern neben Freude an der Natur mitgeben?

Käfer: Ein wenig Wissen über Zusammenhänge in der Natur. Wir haben ja doch auch einen Bildungsauftrag.


2393 Sparbach
Tel. 02237/207 29
E-Mail: naturpark@sfl.at
www.naturpark-sparbach.at

Das Interview führte Daniela Almer.

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