Wie fördert man die Motorik bei Kleinkindern, Frau Bolzano?

Wir haben unsere KIWI-Expertin Dr. Sophia Bolzano über die Bedeutung von Motorikförderung von Kleinkindern befragt

Barbara Fuchs
16.11.2022

Foto: Pexels

Kind in Wien: Ist es wichtig, die Motorik bei Kleinkindern zu fördern? 

Dr. Sophia Bolzano: Ein klares JA! Unbedingt! Kinder wollen sich bewegen, von Anfang an. Es liegt an uns Erwachsenen ein anforderungsreiches, spielerisches und bewegtes Umfeld anzubieten. Das fängt schon damit an, dass wir Babys möglichst viel am Bauch oder Rücken ihre Umwelt entdecken lassen, und Sitzschalen außer zum Transport im Auto möglichst vermeiden. So stärken sie ihre Nacken-, Rücken- und Bauchmuskulatur. Bewegung kann und ist eine der Ressourcen für unser ganzes Leben.

Bild von Dr. Sophia Bolzano, MSc

Dr. Sophia Bolzano, MSc

Bewegungs-, Sportwissenschafterin & Motopädagogin

KIWI-Expertin

Kind in Wien: Haben Sie einfache Tipps zur spielerischen Förderung für mich?

Bolzano: In unserem Buch „Alle Kinder, fertig, los“ sind sehr viele verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, wie Bewegung auch zuhause in einer Wohnung Spaß machen kann. Ein Beispiel: Nehmen Sie zwei Fliegenklatschen und einen Luftballon und spielen mit ihrem Kind Fliegenklatschentennis, vielleicht noch eine Schnur spannen und schon kann es losgehen. Oder Sie üben einfache, kleine Kunststücke mit dem Kind: Rolle vorwärts, rückwärts, balancieren über eine Schnur, vielleicht schon Kopf- oder Handstand. Was Kinder sehr lieben, ist, wenn wir uns mit ihnen am Boden „herumwuzeln“ – sie turnen auf uns, mit uns herum. Nähe und Körperlichkeit ist gerade zu Beginn besonders wichtig und lässt auch eine große Bindung entstehen. Und die Motorik wird ganz nebenbei auch verbessert.

Kind in Wien: Ab welchem Alter sollten Eltern mit der Förderung beginnen?

Bolzano: Laut einer Studie bei Mäusen sind Mäusemütter, die in der Schwangerschaft viel Bewegung machten, mit klügeren Mäusekindern gesegnet. Fitte, bewegte Mütter können also schon vor der Geburt vieles dazu tun, dass ihre Kinder Bewegung als etwas ganz Normales, Wichtiges ansehen. Kinder lieben Bewegung. Je mehr wir ihnen anbieten, sie selbst ausprobieren lassen, umso besser. Für den Körper, die Psyche und unser Gehirn. 

Kind in Wien: Wenn das Kleinkind gar nicht darauf anspringt, was soll ich tun?

Bolzano: Eine Möglichkeit ist sicherlich, Eltern-Kind-Turnen zu probieren. Gemeinsam mit dem Kind Bewegung machen, zeigt dem Kind, wie viel Freude Bewegung machen kann. Später dann jede Form von Ballspiel, rollen, sich verstecken. Nehmen Sie sich die Zeit. Manchmal brauchen Kinder auch noch den einen oder anderen sozialen Entwicklungsschritt, um sich in einer Gruppe von Gleichaltrigen wohlzufühlen. Auch hier können Eltern unterstützen, indem sie auch in der Freizeit viel mit Freunden, mit anderen Kindern unternehmen. Spielplätze bieten ganz viele Möglichkeiten, der größte Spielplatz, den wir haben, sind natürlich die Natur und die Wälder. Kinder lernen von uns, wir sind ihre Vorbilder. Verzichten Sie auf Bildschirmzeit zugunsten von Bewegungserlebnissen an der frischen Luft.


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