Ab wann soll ich meinem Kind soziale Medien erlauben, Frau Buchegger?

Wir haben unsere KIWI-Expertin Frau Barbara Buchegger gefragt, ab wann Kinder TikTok, Snapchat und Instagram benützen sollten

Barbara Fuchs
23.11.2022

In Österreich dürfen soziale Medien laut Gesetz ab 14 Jahren genutzt werden, die Realität sieht jedoch anders aus (Foto: Pexels)

Kind in Wien: Ab wann soll ich meinem Kind soziale Netzwerke erlauben?

Barbara Buchegger: Für die meisten sozialen Netzwerke gilt – laut dem „Kleingedruckten“ – ein Mindestalter von 13 Jahren. In Österreich darf man sich laut Gesetz überhaupt erst ab 14 Jahren in sozialen Netzwerken anmelden. In der Praxis sieht das freilich ganz anders aus: Kinder nutzen Instagram, WhatsApp, TikTok & Co. meist schon deutlich früher – z. B., wenn Freund:innen oder wichtige Influencer:innen dort aktiv sind. 

Eltern sollten dennoch nicht automatisch mit einem Verbot reagieren, das ist wenig wirksam. Besser ist es, sich vom Kind erklären zu lassen, warum und wie es bestimmte Netzwerke nutzen möchte und es bei seinen ersten Erfahrungen zu begleiten. Erkunden Sie gemeinsam die dort gebotenen Möglichkeiten und schauen Sie sich die Privatsphäre-Einstellungen genau an. Sprechen Sie mit Ihrem Kind außerdem über mögliche Risiken wie Cyber-Mobbing, Cyber-Grooming oder die Verbreitung von Falschinformation und vereinbaren Sie verbindliche Regeln – z. B., dass Ihr Kind keine persönlichen Daten preisgeben oder bei Kontaktanfragen von Fremden skeptisch sein soll.

Bild von DI Barbara Buchegger, M.Ed.

DI Barbara Buchegger, M.Ed.

Pädagogische Leiterin von Saferinternet.at

KIWI-Expertin

Kind in Wien: Soll ich meinem Kind in sozialen Netzwerken folgen?

Buchegger: Das kommt darauf an. Wenn Ihr jugendliches Kind nicht von sich aus befreundet sein will, respektieren Sie seinen Wunsch nach Privatsphäre – im echten Leben haben Sie schließlich auch eine andere Aufgabe als die eines Freundes oder einer Freundin. Nutzen Sie soziale Netzwerke nicht, um die Aktivitäten Ihres Kindes zu kontrollieren. Das könnte Ihr Vertrauensverhältnis verletzen und dazu führen, dass sich Ihr Kind bei Problemen nicht mehr an Sie wendet. Außerdem wird es seine Privatsphäre-Einstellungen dann so treffen, dass Sie nichts Relevantes sehen können. 

Ist Ihr Kind noch sehr jung und neu in der Social-Media-Welt, kann eine Online-Freundschaft natürlich auch für beide Seiten hilfreich sein, da Sie es so besser beim sicheren Umgang mit sozialen Netzwerken unterstützen können. Üben Sie sich aber in Zurückhaltung: Elterliche Kommentare, das Schicken von Emojis etc. können dem Kind schnell peinlich sein. Akzeptieren Sie daher unbedingt, wenn Ihr Kind irgendwann nicht mehr mit Ihnen befreundet sein will!

Kind in Wien: Was hat es mit dem Hype um neue soziale Netzwerke wie BeReal und TikTok Now auf sich?

Buchegger: Die Social-Media-App BeReal wird gerade bei älteren Jugendlichen ab etwa 14 oder 15 Jahren immer populärer. Sie will eine Alternative zur Hochglanz-Welt von Instagram bieten und dem Perfektionsdruck gängiger sozialer Netzwerke entgegentreten: Statt inszenierter Bilderwelten sollen authentische Schnappschüsse aus dem eigenen Alltag mit Freund:innen geteilt werden.

Zu einem zufälligen Zeitpunkt fordert die App einmal am Tag zum Posten eines Fotos auf, was dann innerhalb von zwei Minuten passieren sollte. Die App nimmt gleichzeitig ein Foto mit der Front- und Rückkamera des Handys auf, am Posting ist dann zu sehen, was man gerade macht und wie man dabei aussieht. So sollen möglichst ungestellte, spontane Bilder entstehen. TikTok Now ist quasi eine Kopie von BeReal, funktioniert also ganz ähnlich.

Kind in Wien: Welche Risiken gibt es bei der Nutzung dieser neuen Apps?

Buchegger: Auch wenn es bei BeReal nicht um perfekte Fotos geht, kann der Druck entstehen, sich selbst bestmöglich zu präsentieren. Zudem könnte der 2-minütige Posting-Slot gerade Jugendliche dazu verleiten, unbedacht allzu Privates preiszugeben oder unvorteilhafte Fotos zu veröffentlichen. 

Bei aller Spontanität gilt also ebenso wie bei anderen sozialen Netzwerken: immer vorher überlegen, ob ein Foto später peinlich sein oder zum eigenen Nachteil verwendet werden könnte. Auch andere Personen, die auf einem Schnappschuss zu sehen sind, sollten vor der Veröffentlichung immer um Erlaubnis gefragt werden, um nicht das Recht am eigenen Bild zu verletzen. Generell gilt, keine zu privaten Einblicke zu gewähren und Fotos nur mit Freund:innen zu teilen. 

Nichtdestotrotz: Mein bisheriger Eindruck ist, dass viele Jugendliche diese Challenge super meistern. Verschwommene und belanglose Bilder sind für mich ein Zeichen, dass sie ihre Privatsphäre gut zu schützen wissen. Jugendliche sind da oft viel kompetenter, als wir Erwachsenen vermuten würden!

Wenn sich Ihr Kind für neue Netzwerke wie BeReal & Co. interessiert, probieren Sie die Apps am besten selbst aus. Das hilft nicht nur dabei, die Faszination dahinter besser zu verstehen, sondern auch, mögliche Risiken besser einschätzen zu können. Auf Saferinternet.at finden Sie weitere Infos und Tipps zum Umgang mit sozialen Netzwerken.


Haben auch Sie Fragen rund um das Thema Kinder und Familienleben, die Sie unseren KIWI-Expert:innen stellen möchten? Dann schreiben Sie uns gerne eine Mail an kiwi@falter.at!

Weitere Ausgaben:
Alle Ausgaben finden Sie in der Übersicht.

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!