Mein Baby hat Schnupfen, was hilft wirklich, Frau Schlick-Norooz?

Ein Babyschnupfen kann langwierig sein, was Eltern tun können erklärt unsere KIWI-Expertin Frau Schlick-Norooz

Barbara Fuchs
30.11.2022

Bei einer verstopften Nase bei Säuglingen gibt es viele Hausmittel, die Abhilfe schaffen können (Foto: Unsplash)

Kind in Wien: Mein Baby schnupft, was hilft wirklich?

Florentine Schlick-Norooz: Gerade in der kalten Jahreszeit lassen sich Infekte nicht vermeiden, schon gar nicht, wenn das Kind gerade im Kindergarten eingewöhnt wird. Ob Husten, Schnupfen oder Fieber – altbewährte Hausmittel helfen, Beschwerden und Unwohlsein bei Kindern sanft und natürlich zu lindern. Gerade bei Säuglingen kann eine verstopfte Nase die Atmung und das Trinken schnell erschweren. Hier helfen dann isotonische Salzlösungen, welche die Schleimhäute befeuchten und gleichzeitig regenerieren. Zudem lösen sie Schleim und Verkrustungen. Bei älteren Kinder kann eine Nasendusche mit Salz- oder Meersalzlösung hilfreich sein. Das Durchspülen reinigt die Nase und schwemmt gleichzeitig die Erreger aus.

Da gerade im Winter die trockene Heizungsluft die Schleimhäute zusätzlich reizt, hilft es die Umgebungsluft zu befeuchten. In Innenräumen ist daher eine Luftfeuchtigkeit von circa 50 Prozent zu empfehlen. Das erreicht man zum Beispiel mit einem feuchten Handtuch auf der Heizung. Gleichzeitig sollten die Räume nicht übermäßig geheizt werden, eine Zimmertemperatur von maximal 20 Grad Celsius ist optimal.

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Dr. Florentine Schlick-Norooz, PhD

Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde, Kinderarztpraxis Schumanngasse

KIWI-Expertin

Kind in Wien: Auch der Nasensauger bringt keine Erleichterung. Haben Sie einen Tipp?

Schlick-Norooz: Bei hartnäckigeren Fällen, wenn sich der Schleim in der Nase nur schwer mit Kochsalzlösungen lösen oder dem Nasensauger absaugen lässt und das Atmen schwerfällt, helfen abschwellende Nasentropfen. Diese ziehen die feinen Gefäße zusammen, sodass das Sekret abfließen kann und auch die Nebenhöhlen besser belüftet werden. Wichtig: auf die altersgemäße Dosierung achten und abschwellende Nasentropfen- oder sprays für höchstens sieben Tage in Folge anwenden. Am besten Nasentropfen mit wundheilenden Zusätzen wie Dexpanthenol und Hyaluronsäure. Verwenden, das pflegt und schützt gleichzeitig die empfindlichen Schleimhäute.

Um dem Baby das Abhusten und Atmen zu erleichtern, ist es auch sinnvoll, das obere Teil des Bettchens zu erhöhen.

Kind in Wien: Ich habe gehört, Zwiebel hilft gut bei Erkältungskrankheiten. Stimmt das?

Schlick-Norooz: Zwiebeln wird bei Erkältungskrankheiten eine wahre Wunderwirkung zugeschrieben.

Ein Säckchen mit klein geschnittenen Zwiebeln nachts neben dem Bett aufgehängt sorgt durch den Zwiebelduft für eine freie Nase. Ebenso schafft ein Säckchen mit Zwiebeln aufs Ohr gelegt Abhilfe bei Ohrenschmerzen. So kann sich der Zwiebelduft ins Ohr hinein ausbreiten und dorthin gelangen, wo die schmerzende Stelle liegt. Weiters helfen die ätherischen Öle der Zwiebel, die Entzündung im Ohr abheilen zu lassen. 

Als altbewährtes Hausmittel bei Halsschmerzen gilt der Zwiebelsaft – hierfür eine Zwiebel klein schneiden und mit 1-2 Teelöffel Honig vermischen und ca. fünf Stunden im Kühlschrank rasten lassen, dann den Saft abseihen und täglich 2-3 Teelöffel davon dem kleinen Patienten zu trinken geben. Achtung: für Kinder unter einem Jahr ist Honig nicht geeignet und auch Zwiebeln können blähend wirken.

Kind in Wien: Welche Hausmittel können Sie sonst noch empfehlen?

Schlick-Norooz: Wickel und Auflagen sind altbekannte Hausmittel, die vorbeugend als auch therapeutisch eingesetzt werden können, um auf sanfte und natürliche Weise die Selbstheilungskräfte zu mobilisieren. Bei Hustenreiz kann ein Brustbalsam mit Thymian zur Anwendung kommen (Vorsicht: ätherisch Öle sollten wegen der Gefahr von allergischen Reaktionen nicht bei Kindern unter sechs Monaten zur Anwendung kommen), sowie ein aus der Apotheke zubereitet Husten- und Bronchialtee mit Honig. Alternativ kann auch ein Handtuch oder eine Mullwindel auf der Heizung erwärmt und dem Baby locker um den Brustkorb gewickelt. Die Wärme wirkt entkrampfend und hilft ebenfalls, Schleim zu lösen. Bei älteren Kindern können Wickel mit Kartoffeln oder Quark zur Anwendung kommen.

Auch bei Ohrenschmerzen wird Wärme meist als angenehm empfunden: hier können Kirschkernkissen, Rotlichtlampe, ein erwärmtes Zwiebelsäckchen oder das Auflegen eines gewärmten Tuches versucht werden.

Auch ein Engelwurzbalsam um das Ohr herum verstrichen, bei Bedarf mit einem Zwiebelsäckchen ergänzt, schafft Erleichterung bei Ohrenschmerzen.

Vorsicht: Ätherische Öle wie Eukalyptus oder Lavendel eignen sich noch nicht für Säuglinge. Auch einen Erkältungsbalsam sollten Sie aufgrund der enthaltenen Öle erst bei Kindern ab einem Alter von zwei Jahren anwenden. 

Altbewährte Hausmittel können Ihrem Baby dabei helfen, wieder gesund zu werden. Sie ersetzen aber den Arztbesuch nicht. Ein Arzt sollte dringend konsultiert werden, wenn

  • die Symptome nach wenigen Tagen nicht besser werden,

  • Ihr Baby erst ein paar Wochen alt ist,

  • das Baby besonders schlapp und krank wirkt,

  • das Fieber über 38 Grad Celsius beim Baby unter drei Monaten oder andernfalls über 39 Grad Celsius steigt.


Haben auch Sie Fragen rund um das Thema Kinder und Familienleben, die Sie unseren KIWI-Expert:innen stellen möchten? Dann schreiben Sie uns gerne eine Mail an kiwi@falter.at!

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