KIWI vor Ort: Der Mama-Baby-Sozialraum

Wir haben uns im knapp vor einem Jahr von der Diakonie eröffneten Sozialraum für armutsgefährdete Mütter umgesehen

Barbara Fuchs
07.12.2022

Gemeinsam einfach nur Frau sein: das Wohnzimmer im Mama-Baby Sozialraum (Foto: Diakonie)

Mitten im 15. Bezirk, in einem unscheinbaren Gebäude im Erdgeschoss, hat die Diakonie vor knapp einem Jahr in einst tristen Büroräumen eine Oase für armutsgefährdete Mütter geschaffen.

„Der Mama-Baby-Sozialraum soll ein freier, geschützter Raum für alle von Armut betroffenen Mütter sein“, so Einrichtungsleiterin Teresa Bodner. In die Räumlichkeiten werden nur Frauen eingelassen, ein gemütlich eingerichtetes Wohnzimmer, nebst Kinderspielraum, laden zum Verweilen und Tratschen ein. Hier tobt an fünf Tagen die Woche das Leben, Frauen unterschiedlicher Nationalitäten treffen sich hier alleine oder mit ihren Kindern, um gemeinsam, ungezwungen Zeit zu verbringen. Dazwischen sitzen die Mitarbeiterinnen des Hauses und sind da, wenn sie gebraucht werden. „Wir sind keine Beratungsstelle“, betont Bodner bei einem gemeinsamen Rundgang. „Wir bieten einen Ort, wo die Frauen einfach sie selber sein können, manche Besucherinnen legen sogar nach einer Weile ihr Kopftuch ab“.

Das von den Frauen selbst mit Teppich, Couch und bunten Sitzkissen eingerichtete Wohnzimmer strahlt Ruhe und Sicherheit aus, dampfende Teetassen und verschiedene Knabbereien lassen die Welt draußen schnell vergessen. Im Hintergrund leuchtet ein üppigst geschmückter Christbaum. Die Pinnwand bietet ein umfangreiches Angebot, vom Kochkurs bis zur Stillberatung, aber, wie Frau Bodner betont, es seien einfach nur Angebote. Hier sollen die Frauen nichts müssen.

Auch innerhalb des MaBa-Raumes kommen immer wieder Initiativen zustande: „Manchmal bedarf es nur einen kleinen Anstupser und ein wenig Hilfe unserer Mitarbeiterinnen oder Dolmetscherinnen und schon greifen die Frauen rasch auf ihr eigenes Wissen oder auf die Ausbildung aus ihren Herkunftsländern zurück“, erläutert Teresa Bodner. Wöchentlich triff sich nun eine Vorschulgruppe, die von einer Lehrerin organisiert wird, unterschiedliche selbstgestaltete Kochworkshops erfreuen sich großer Beliebtheit. Ein Besuch des Nikolos sei den Frauen übrigens ebenfalls wichtig gewesen, um mehr über die Feste in Österreich zu erfahren, so Bodner. Auch innerhalb der Wohnzimmergemeinschaft wird geholfen, die Tücken des Mutter-Kind-Passes besprochen oder mit Kleiderspenden unterstützt. Unkompliziert und über alle Nationalitäten und Religionen hinweg.

Neben dem Wohnzimmer ist der MaBa-Laden eine weitere, sehr wichtige Anlaufstelle. Hier werden Windeln, Babynahrung und Spielzeug zu einem stark reduzierten Preis verkauft. „Wir achten im Laden bewusst darauf, Sachen zu verkaufen, die es in richtigen Geschäften auch gibt, also Markensachen und schönes Spielzeug, wenig Secondhand. Die Frauen dürfen hier mittels vorher genehmigter Karte einkaufen und sollen das Gefühl haben, ihren Kindern hochwertige Sachen ermöglichen zu können“, erklärt Teresa Bodner das Konzept. Der Laden ist dadurch stark abhängig von Sachspenden von Unternehmen, egal welcher Größe, vor allem Pre-Nahrung wird immer gesucht. Auch hier engagieren sich die Mütter, viele arbeiten freiwillig im Geschäft mit: Um Wertschätzung zu erfahren.


Die Förderung des Sozialraums ist leider nicht langfristig gesichert, bitte helfen Sie den armutsgefährdeten Müttern, entweder mit Geldspenden: Diakonie, IBAN: AT07 2011 1800 8048 8500, Verwendungszweck MaBa (unbedingt angeben!) oder mit Zeitspenden – Vielleicht wollen Sie sich ja engagieren? Schreiben Sie an maba@diakonie.at.

Dringend gesucht werden außerdem Kooperationen mit Unternehmen jeglicher Größe, um den MaBa-Laden weiter auszustatten. Schreiben Sie gerne an die oben genannte E-Mail-Adresse.

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