Wie schlimm ist das RS-Virus, Frau Kirchlechner?

Volle Betten in den Spitälern, das kennt man eigentlich nur von Corona. Momentan betrifft das allerdings die Kinderstationen, da ungewöhnliche viele Viren, darunter das RS-Virus, gleichzeitig zirkulieren. Unsere KIWI-Expertin Dr. Veronika Kirchlechner beantwortet Fragen rund um das respiratorische Virus

Barbara Fuchs
07.12.2022

Das RS-Virus trifft vor allem sehr kleine Kinder etwas härter (Foto: Pexels)

Kind in Wien: Im Moment gibt es, so scheint es, zusätzlich zu den normalen Winter-Viren besonders viele Fälle des RS-Virus. Stimmt das und was hat es mit dem Virus auf sich?

Veronika Kirchlechner: RS-Viren kursieren jeden Winter, mal mehr, mal weniger und gehört eigentlich zu den normalen Winter-Viren. Es ist prinzipiell ein „Schnupfenvirus“, das grippale Symptome wie Fließschnupfen und Husten mit oder ohne Fieber auslösen kann. Die meisten Menschen hatte bereits im Kleinkindalter Kontakt mit diesem Virus und entwickeln dementsprechend nur milde Symptome. In dieser Saison begann das Virus tatsächlich relativ früh zu kursieren.

Bild von Dr. Veronika Kirchlechner

Dr. Veronika Kirchlechner

Kinderfachärztin der Kinderarztpraxis Schumanngasse

KIWI-Expertin

Kind in Wien: Wie gefährlich ist das RS-Virus? Und für wen?

Kirchlechner: Das RS-Virus trifft vor allem sehr kleine Kinder in den ersten beiden Lebensjahren, die bisher noch keine Immunität aufbauen konnten, etwas härter. Auch hier gibt es unterschiedliche Verläufe, aber Kinder können bei einer Infektion hohes Fieber und heftigen Husten entwickeln und einige davon bekommen auch Atemnot und benötigen zusätzlichen Sauerstoff. Je kleiner das Kind, desto schwerer ist in der Regel der Verlauf der Erkrankung, besonders gefährdet sind also Säuglinge in den ersten Lebensmonaten, Frühgeborene und Kinder mit Vorerkrankungen an Lungen und Herz.

Kind in Wien: Sind in den Spitälern, wie in manchen Medien kolportiert, die Betten für Kinder wirklich knapp?

Kirchlechner: Die Kinderspitäler sind gut ausgelastet, wir kennen diese Situation auch von anderen Jahren im Winter, wenn viele Kinder zeitgleich schwere Infekte der Atemwege haben, und häufig sind das virale Infekte, die im Winter auftreten (RS-Viren, aber auch Influenza oder andere Viren) kann es schon mal sein, dass die Betten im Spital knapp werden.

Kind in Wien: Wie kann man sich den am besten vor den diversen Viren, die im Umlauf sind, schützen?

Kirchlechner: Nach zwei Jahren Pandemie sollten wir bestens geschult sein, uns vor Viren zu schützen: Händedesinfektion, große Menschenansammlungen meiden, Maske tragen, aber auch zuhause bleiben und sich auskurieren, wenn man erkältet ist. Vor allem letzteres wird leider außerhalb von Covid allzu häufig ignoriert: auch ein „harmloses“ Schnupfenvirus kann eine andere vulnerable Person so krank machen, dass sie ins Spital muss: Im Falle von Covid sind es eher die älteren Menschen, die besonders schwer erkranken, im Falle von RS-Viren Frühgeborene und Säuglinge. Deshalb ist es sehr wichtig auch bei milden Symptomen Abstand zu halten, um niemanden anzustecken.


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