Mein Kind isst plötzlich im Kindergarten nichts, was kann ich tun, Frau Ottenschläger?

Eine KIWI-Leserin fragt sich, warum ihr Kind plötzlich im Kindergarten nichts mehr essen will und was sie dagegen tun kann. Frau Mag. Veronika Ottenschläger, Autorin von „Gesunde Ernährung von Anfang an“, erläutert mögliche Gründe

Barbara Fuchs
14.12.2022

Foto: Pexels

Kind in Wien: Mein Kind hat eigentlich immer im Kindergarten gegessen, jetzt verweigert es. Was kann ich tun?

Veronika Ottenschläger: Es gilt zu klären, ob sich etwas an dem Umfeld im Kindergarten geändert hat? Neue:r Essensanbieter:in, neue:r Pädagog:in, neue Kinder oder sonst etwas, was störend auf das Essensumfeld wirken kann. Manchmal kommt es zu einer Verschiebung der Essenszeiten, sodass das Kind vielleicht noch keinen Hunger hat. Natürlich ist die Gruppendynamik in einer Kiga-Gruppe auch nicht zu unterschätzen. Am besten spricht man es bei der Kiga-Leitung und dem:r betreuenden Gruppenleiter:in an und versucht die Ursache der Verweigerung herauszufinden. Manchmal sind es auch ganz banale Dinge.

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Mag. Veronika Ottenschläger

Ernährungswissenschaftlerin & Diplomierte Ernährungsberaterin

KIWI-Expertin

Kind in Wien: Zu Hause am Wochenende isst es eigentlich recht normal. Warum bloß im Kindergarten nicht?

Ottenschläger: Stress und Überlastung sowie Zeitdruck sollten im Kiga-Setting abgeklärt werden. Sensible und lärmempfindliche Kinder kann der Appetit vergehen. Sie benötigen Zeit für die Umstellung und Eingewöhnung. Druck bringt in diesem Fall recht wenig. Vertrauen und Heranführen an neue Gerichte wäre wesentlich wichtiger. Kindergartenpädagog:innen haben Vorbildwirkung und sollten positiv und motivierend auf Kinder einwirken. Manchmal tut es auch schon eine geänderte Sitzordnung bei Tisch.

Kind in Wien: Ich habe das Gefühl, mein Kind bekommt dadurch zu wenig Nährstoffe. Wie viel und was sollte ein 4-jähriges Kind über den Tag verteilt überhaupt zu sich nehmen?

Ottenschläger: Wie in allen anderen Altersgruppen sollten keine Lebensmittelgruppen auf dem Speiseplan ausgelassen werden. Vielfältig und bunt wäre das beste Speisenangebot. Basis bilden 1-1,2 L Getränke vor allem Wasser. 2 Portionen Obst und 3 Portionen Gemüse sowie 1 Portion Hülsenfrüchte/Woche wären in einer ausgewogenen Ernährung günstig. Die Portionen kann man ganz leicht mit der Kinderhand überprüfen. 2 Handvoll Erbsen, 1 Handvoll Tomaten, 2 Hände voll Erdbeeren stehen jeweils für eine Portion. Damit Kinder genug Energie für den Tag haben, dürfen 5 Portionen kohlenhydratreiche Speisen verzehrt werden. Fettarme Milchprodukte, qualitativ hochwertige Öle runden eine kindgerechte Ernährung ab. Auf die den Verzehr von wenig Fett, Zucker und Salz sollte man als Eltern achten.

Fisch (1 Portion heimischer Fisch), Fleisch und Wurst (3 Portionen) und Eier (2 Stück) dürfen natürlich nicht auf dem Speiseplan fehlen, allerdings sollte man gerade Fleisch nur in Maßen verzehren. Hier liegen wir europaweit weit vorne.


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