Mangelware Nureflex: die Medikamentenknappheit kurz erklärt

Die KIWI-Redaktion hat in den letzten Wochen recherchiert, wie knapp Arzneimittel für Kinder in Österreich wirklich sind und dazu mit Ärzt:innen und Eltern eingeholt

Barbara Fuchs
25.01.2023

Wer momentan passende Medikamenten für seinen Nachwuchs braucht, wird öfters enttäuscht (Foto: Pexels) (Foto: Pexels)

Vermutlich ist es Ihnen in den letzten Wochen so wie vielen anderen verzweifelten Eltern in den Apotheken Wiens gegangen. Medikamente, die Arzt oder Ärztin verschrieben hatten, sind nicht verfügbar. Darunter fällt auch Nureflex, der äußerst beliebte Fiebersaft für Babys und Kinder. Dieser ist, laut Datenbank des Bundesamtes für Sicherheit im Gesundheitswesen, nicht lieferbar, auf absehbare Zeit wird das auch so bleiben.

Nureflex ist der einzige Fiebersaft für Kinder mit dem Wirkstoff Ibuprofen. Und das ist ein Problem. Denn es gibt einen Grund, warum gerade Nureflex von Ärzt:innen so gerne verschrieben wird: Der Saft ist gut verträglich und wirkt. Andere Fiebersäfte, beispielsweise mit dem Wirkstoff Paracetamol, senken manchmal das Fieber nicht so rasch wie Ibuprofen. Zudem ist Paracetamol zwar schmerzstillend, aber wirkt nicht entzündungshemmend. Hier ist Ibupfrofen etwas besser, erläutert eine von der KIWI-Redaktion befragte Ärztin. Aber auch beim Wirkstoff Paracetamol kommt es schon zu Engpässen.

Noch problematischer ist momentan die Behandlung von Scharlach (siehe auch unsere Fragen an die KIWI-Expertin). Hier kommt Penicillin zum Einsatz, denn Scharlach ist eine Streptokokken-Infektion. Die Verfügbarkeit der hierfür passenden Arzneimittel für Kinder ist ebenfalls stark eingeschränkt. Darüber zeigen sich Ärzt:innen besonders besorgt. Denn nicht adäquat behandelt, kann die Erkrankung einen schweren Verlauf nehmen.

Was ist nun der Grund? Zum einen natürlich Corona. Ein Wirkstoff (z.B. ein Antibiotikum) wird manchmal nur an einem oder zwei Standorten auf der ganzen Welt, meist in Asien, produziert, erklärt die Apothekerkammer. Kommt es dann zu Störungen im Werk, wie beispielsweise aufgrund eines Lockdowns, bricht die Lieferkette zusammen. Kurzfristig kam es im Dezember in China zusätzlich noch zu einem Exportstopp der Wirkstoffe Ibuprofen und Paracetamol, die fiebersenkenden Mittel werden nach Aufhebung aller Covid-Maßnahmen im Land selbst gebraucht.

Dasselbe gilt auch für die Lagerung. Medikamente werden in den seltensten Fällen in der EU oder Österreich gelagert, sind daher nicht rasch verfügbar. Und schlussendlich kommen noch die vergleichsweise niedrigen Arzneimittelpreise in Österreich hinzu, sagt die Apothekerkammer. Für Pharmafirmen ist es deshalb nicht so lukrativ, nach Österreich zu verkaufen. Denn in allererster Linie agieren Pharmafirmen gewinnorientiert, das dürfe man nicht vergessen, betont eine Ärztin. Kinder mit seltenen Erkrankungen sind momentan übrigens besonders von den Lieferengpässen betroffen, da die eher wenig zum Einsatz kommenden Arzneimittel in der Herstellung sehr teuer sind und daher wenig Gewinn abwerfen.

Was können wir Eltern nun tun? Zum Beispiel andere fiebersenkende Säfte verabreichen oder Zäpfchen geben, falls das von größeren Kindern angenommen wird. Auf Generika ausweichen oder in Apotheken in anderen Bundesländern anrufen, ob dort noch die passenden Medikamente lagernd sind. Manche Apotheken haben zudem begonnen, ihre eigenen Fiebersäfte herzustellen. Und hoffen, dass es nicht noch schlimmer wird.


Wie ist es Ihnen in den letzten Wochen ergangen? Welches Medikament haben Sie für Ihr Kind nicht mehr bekommen? Antworten Sie einfach auf dieses Mail oder schreiben Sie uns ihre Erlebnisse an kiwi@falter.at.

Weitere Ausgaben:
Alle Ausgaben finden Sie in der Übersicht.

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!