Wie kann ich mein Kind vor Cyber-Grooming in Chatrooms schützen, Frau Prochazka?

Das Internet bringt nicht nur Gutes. Wie wir unsere Kinder vor den schlechten Ecken schützen können, erklärt uns unsere KIWI-Expertin Mag. Elke Prochazka

Barbara Fuchs
06.09.2023

Foto: Unsplash

Kind in Wien: Was ist Cyber-Grooming

Elke Prochazka: Bei Cyber-Grooming versuchen – vorwiegend männliche – Erwachsene im Internet das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen zu bekommen, um sie sexuell zu belästigen bzw. sexuell zu missbrauchen. 

Dies ist klar strafbar, der §208a StGB stellt Cyber-Grooming unter Strafe! So ist alleine die Frage an eine Person unter 14 Jahre etwa über WhatsApp eine pornographische Aufnahme zu schicken strafbar. Die Kontaktanbahnung erfolgt etwa ab dem Volksschulalter.

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Mag.a Elke Prochazka

Klinische- u. Gesundheitspsychologin, zertifizierte Saferinternet.at-Trainerin

KIWI-Expertin

Kind in Wien: Was sind die häufigsten Taktiken, die Täter:innen in Chatrooms verwenden, um das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen zu gewinnen?

Prochazka: Alles, was dazu dient, Vertrauen zu bekommen. In Online-Spielen wird etwa beim Weiterkommen geholfen. Die Täter:innen zeigen viel Verständnis, für Schulprobleme, aber besonders für Probleme mit den Eltern. Auch wenn Spiele durch Eltern verboten sind, wird dies oftmals genützt. Genauso wird der Wunsch nach einer Person, für die man attraktiv ist, für die Anbahnung verwendet. Oftmals wird der Kontakt über wirklich lange Zeit aufgebaut. Alleine durch die Art und Weise wie geschrieben wird, ist es oftmals nicht mehr möglich zu erkennen, ob es eine groomende Person ist oder tatsächlich eine Online-Freundschaft.

Kind in Wien: Welche Faktoren machen Chatrooms für Kinder und Jugendliche so interessant und wie können Eltern darauf angemessen reagieren?

Prochazka: Groomende begeben sich überall dorthin, wo Kinder und Jugendliche sind. Genauso wie sich Täter:innen in der Offline-Welt, etwa auf Spielplätze begeben. Cyber-Grooming passiert daher überall, wo sich Kinder und Jugendliche im Internet mit anderen unterhalten können. Über Messenger ebenso, wie in Chats von Online-Spielen. Bei Online-Spielen ist der Reiz einfach das gemeinsame Spielen und darüber austauschen.

Oftmals ist das Internet gerade für Jugendliche die einzige Möglichkeit, von anderen akzeptiert zu werden. Wenn sie im Offline-Leben, wie der Schule und der Nachbarschaft, Schwierigkeiten haben, dann ist die Online-Welt und die dortigen Kontaktmöglichkeiten besonders attraktiv. Sie sind dankbar für die Komplimente und Zuwendungen, die sie online erhalten. Gehen die Chatpartner:innen dann zu unangenehmen Fragen über und stellen unangenehme Forderungen, dann befinden sich Kinder und Jugendliche bereits in einer erpresserischen Situation. Es ist für sie auch schwierig, den Kontakt direkt abzubrechen, gerade wenn sie in der Offline-Welt, kaum Kontakte haben.

Wichtig ist mir, dass im Internet wirklich viele beständige Freundschaften entstehen. Cyber-Grooming ist eine Gefahr, genauso, wie es auch im Offline-Leben Gefahren gibt. Bei weitem nicht alle Kontakte sind gefährlich.

Kind in Wien: Welche Merkmale sollten Eltern bei der Bewertung von Chatroom-Plattformen berücksichtigen, um sicherzustellen, dass sie sicher für ihre Kinder sind?

Prochazka: Es gibt keine sicheren Chaträume an sich. Für Sicherheit können Eltern sorgen, in dem sie schon im Kindesalter Gefahren im Internet besprechen, so wie auch Gefahren im Offline-Alltag der Kinder besprochen werden. 

  • Informieren Sie Ihr Kind, dass es nicht alle Menschen im Internet nett meinen und dass man diese Personen melden und blockieren kann.

  • Stellen Sie klar, dass niemand im Internet Ihrem Kind Fragen stellen darf, die ihm unangenehm sind und es nichts machen sollte, wo es auch ein komisches Gefühl dabei hat.

  • Besonders wichtig: Wenn sich Ihr Kind vertrauensvoll an Sie wendet, weil eine Person im Internet unangenehm ist, dann loben Sie Ihr Kind, dass es sich Hilfe holt. Verzichten Sie unbedingt auf Strafen, denn sonst holt sich Ihr Kind vermutlich keine Unterstützung mehr. Täter:innen gehen aktiv dorthin, wo Kinder und Jugendliche sind, nicht Kinder oder Jugendliche dorthin, wo ihnen im Internet unangenehmes geschieht. 

  • Unterstützen Sie Ihr Kind, wenn es sich mit jemandem aus dem Internet treffen möchte. So können Sie für einen sicheren Rahmen sorgen.

  • Überlegen Sie mit Ihrem Kind, wie es auf seine Art und Weise herausfinden könnte, ob die Person im Internet, tatsächlich auch gleichaltrig ist, bzw. einfach die Person ist, für die sie sich ausgibt. Etwa dadurch, dass man spontan einen Video-Chat vorschlägt und schaut, ob die Person innerhalb von Minuten darauf eingeht oder Ausreden hat, warum es gerade nicht geht. 

Mehr Tipps und auch Coachings, wie Sie Ihr Kind sicher im Internet begleiten können, finden Sie auch auf Saferinternet.at.

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