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Neruda

Neruda - © Polyfilm

Neruda (Foto: Polyfilm)


Nach einer Brandrede gegen Präsident Vidal muss Pablo Neruda, bekennender Kommunist und berühmtester Dichter seines Landes, untertauchen. Er versucht, aus Chile herauszukommen, der melancholische Polizist Peluchoneau soll ihn dabei aufhalten. Ein hintergründiges Meisterwerk, das Spannung, Poesie und lakonischen Humor auf sich zu vereinen weiß.

Regie:
Regie:
Pablo Larrain
Darsteller:
Darsteller:
Luis Gnecco, Gael Garcia Bernal, Mercedes Moràn, Emilio Gutiérrez Caba
Land/Jahr:
Land/Jahr:
Chile/ARG/F/E 2016
Dauer:
Dauer:
107 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe

Poesie und Politik: "Neruda"

SABINA ZEITHAMMER Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino) | 15.03.2017

Er werde sich von ihr trennen, teilt Pablo Neruda seiner Frau, der Malerin Delia del Carril, mit, während er sich auf seine Flucht aus Chile vorbereitet. "Es ist schön, mit dir zusammen zu sein", entgegnet sie. "Als lebte man in einem Viertel mit Bäumen." Ja, die Figuren in Pablo Larraíns Hommage "Neruda" sprechen in Poesie. Der Dichter und kritische kommunistische Senator (Luis Gnecco), dessen diplomatische Immunität unter Präsident Gabriel Gonzáles Videla aufgehoben worden ist, muss untertauchen. An seine Fersen heftet sich der faschistische Polizist Óscar Peluchonneau (großartig: Gael García Bernal), der sich der Faszination Nerudas nur schwer entziehen kann. Schlussendlich wird sein Voice-over wie die Stimme des Dichters selbst klingen, und die Grenzen zwischen ihnen werden infrage stehen.

Es ist ein hoch poetisches Spiel mit Worten und Figuren, das Larraín mit einer Verfolgungsjagd vermischt. Dabei interessiert er sich nicht für ein Biopic, sondern schafft ein Werk der Momentaufnahmen aus der Zeit um 1948/49, die von Politik und Literatur erzählen - und in sie eintauchen.

Dies kann herausfordernd sein (die Lebensgeschichte Nerudas im Vorfeld nachzulesen, empfiehlt sich) und schafft gleichzeitig eine faszinierende Gegenwärtigkeit. Da ist etwa die Putzfrau, die den von der Aura des Hedonisten wie des Volkshelden gleichsam umgebenen Dichter um einen Kuss bittet, um ihn anschließend zu fragen, ob die Menschen in der angestrebten kommunistischen Gesellschaft so gleich sein werden wie sie oder so gleich wie er; oder der Bordellsänger, der Peluchonneau beim Verhör von seiner Begegnung mit Neruda erzählt: Von Künstler zu Künstler hätten sie sich unterhalten, schwärmt er, während die Zigarette in seiner zitternden Hand verglüht.

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