Empfohlen Filmkritik

Die kanadische Reise

Le fils de Jean

© Polyfilm

Foto: Polyfilm


Der 33-jährige Mathieu hat seinen leiblichen Vater nie kennengelernt. Eines Tages erhält er einen Anruf aus Kanada: Sein Vater sei tot und habe ihm ein Päckchen hinterlassen. Er entschließt sich zu einer Reise ins Unbekannte und trifft auf Pierre, einen Freund des Verstorbenen. "Die Reise durch das dezent malerische Québec (wo es so viele Seen gibt, dass nicht jeder einen Namen hat) wird für Mathieu zu einer Initiation, bei der er Verantwortung und Geborgenheit an unverhofften Orten entdeckt" (G. Midding).

Regie:
Regie:
Philippe Lioret
Darsteller:
Darsteller:
Pierre Deladonchamps, Gabriel Arcand, Catherine de Léan, Marie-Thérèse Fortin, Pierre-Yves Cardinal
Land/Jahr:
Land/Jahr:
F/CAN 2016
Dauer:
Dauer:
98 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe

Familie in der Fremde: "Die kanadische Reise"

GERHARD MIDDING | 20.06.2018

Es gibt Filme, die man nicht vom Ende her nacherzählen darf. Bei einem Thriller akzeptiert man die Spielregel, den Ausgang nicht zu verraten, weil er das Vorangegangene in ein anderes Licht taucht oder ihm gar den Boden unter den Füßen nimmt. In einem psychologischen Drama hingegen geniert es den Zuschauer, wenn er am Ende mit dem Gefühl zurückbleibt, sich in den Figuren und ihren Motiven getäuscht zu haben.

Philippe Lioret jedoch arbeitet gern mit solchen Überraschungsdramaturgien. Zum Glück ist er ein aufgeklärter, diskreter Melodramatiker. In "Die kanadische Reise" erzählt er von einer Vatersuche, die in eine gleich mehrfache Identitätsfindung mündet. Der Pariser Angestellte Mathieu (Pierre Deladonchamps) erhält eines Tages aus Montreal die Nachricht, dass sein unbekannter leiblicher Vater in wenigen Tagen beerdigt wird. Aus einer inneren Dringlichkeit heraus, die ihn selbst überrascht, entschließt er sich, nach Kanada zu fliegen. Am Flughafen empfängt ihn Pierre (Gabriel Arcand), der beste Freund des Verstorbenen. Bei ihm war das Geheimnis der Affäre, aus der Mathieu vor 30 Jahren hervorging, in guten Händen und er will verhindern, dass die trauernde Familie es nun erfährt.

Die Reise durch das dezent malerische Québec (wo es so viele Seen gibt, dass nicht jeder einen Namen hat) wird für Mathieu zu einer Initiation, bei der er Verantwortung und Geborgenheit an unverhofften Orten entdeckt. Von der Familie als einem Hort des Schweigens, das gebrochen werden muss, handelte schon Liorets "Keine Sorge, mir geht's gut". Nun entwickelt er aus komplizierten Familienbeziehungen erneut einen emotionalen Suspense, der von seinen einnehmenden Hauptdarstellern getragen wird. Er schließt einen heiklen Pakt des Vertrauens mit dem Zuschauer, den er zum taktvollen Mitwisser macht.

Ab Fr im Filmhaus (OmU)

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