Empfohlen Filmkritik

Zu jeder Zeit

De chaque instant

© Polyfilm

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Nicolas Philiberts neuer Dokumentarfilm folgt Menschen im Institut de la Croix-Saint-Simon östlich von Paris, die sich für die herausfordernde Pflegeausbildung entschieden haben. Dabei ist "Zu jeder Zeit" weder ein Institutionenporträt noch ein Wegbegleiter dieses harten, anspruchsvollen Berufs. Vielmehr arbeitet er sich daran ab, den ganzheitlichen Lernprozess sichtbar zu machen, der letztgültig in eine Routine mündet, von der Patienten und Patientinnen am Ende kaum mehr etwas wahrnehmen. (Martin Nguyen)

Regie:
Regie:
Nicolas Philibert
Land/Jahr:
Land/Jahr:
F 2018
Dauer:
Dauer:
105 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Kinostart:
Kinostart:
14. Juni 2019
Streaming:
Streaming:
https://www.amazon.de/jeder-Sch%C3%BCler-einer-Krankenpflegeschule-Frankreich/dp/B089MCR1C3/

Handwerk mit Empathie: "Zu jeder Zeit"

Martin Nguyen | 19.06.2019

Pumpen, pumpen, pumpen. Im Institut de la Croix-Saint-Simon östlich von Paris folgt Nicolas Philiberts neuer Film Menschen, die sich für die herausfordernde Pflegeausbildung entschieden haben. Wie kräfteraubend eine Herzmassage auf Knien an einem Dummy sein kann, ist hier förmlich zu spüren.

Der Film teilt sich in drei Akte (Kurse, Praktika, Praktikumsberichte) auf, denen Philibert jeweils Zitate des Dichters Yves Bonnefoy voranstellt. Ihre große Stärke findet die Dokumentation im Nachgehen des alltäglichen Rhythmus, in der Studie des Selbstverständlichen.

"Zu jeder Zeit" ist weder ein Institutionenporträt noch ein Wegbegleiter des harten, anspruchsvollen Pflegeberufes. Vielmehr arbeitet er sich daran ab, den ganzheitlichen Lernprozess sichtbar zu machen, der letztlich in eine Routine mündet, von der Patienten und Patientinnen am Ende kaum mehr etwas wahrnehmen. Er legt das Vortasten, das Fehlerbegehen, das daran Wachsen, frei. Während in den Kursen Puppen, Kollegen und Kolleginnen den Übungspart geben, stellt das Praktikum die erste Begegnung mit der Patientenrealität dar. Die Anspannung und Verwundbarkeit der Auszubildenden wie auch der Behandelnden treffen aufeinander. Die intimen, berührenden Einzelgespräche in der Auswertung der Praktikumsberichte legen indessen Themen wie Stress, Tod, aber auch den eigenen Stolz in der Überwindung von Widerständen frei.

Bis auf eine Ausnahme durchläuft der hoffnungsvoll sympathische Film die Räumlichkeiten des Gesundheitssystems von innen und spart Privates und Hintergründe aus. Bisweilen verliert man sich in der Zahl der Porträtierten, doch gelingt es Philibert, dem komplexen Pflegeberuf mit Empathie und Verständnis zu begegnen. Die wichtigste Eigenschaft in diesem Metier.

Ab Fr im Filmhaus (OmU)

Dieser Film bei Video on demand

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