Filmkritik

Und der Zukunft zugewandt

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Basierend auf der Biografie der Schauspielerin Swetlana Schönfeld und weiteren Zeitzeugenberichten, erzählt dieses politische Historiendrama vom staatlich verordneten Schweigen in der DDR. Antonia Berger (Alexandra Maria Lara), die 1952 ins ostdeutsche Fürstenberg zurückkommt, war seit 1940 in einem sowjetischen Gulag, unschuldig verurteilt als Spionin, obwohl sie mit Überzeugung für den Kommunismus eingetreten war. Nach Hause zurückgeholt, gibt man ihr eine Wohnung und eine gute Arbeit. Im Gegenzug muss sie unterschreiben, nie über ihre Vergangenheit zu sprechen. (Sabina Zeithammer)

Regie:
Regie:
Bernd Böhlich
Darsteller:
Darsteller:
Alexandra Maria Lara, Robert Stadlober, Carlotta von Falkenhayn, Stefan Kurt, Barbara Schnitzler, Karoline Eichhorn
Land/Jahr:
Land/Jahr:
D 2019
Dauer:
Dauer:
108 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Kinostart:
Kinostart:
1. November 2019

Verordnetes Schweigen: "Der Zukunft zugewandt"

SABINA ZEITHAMMER | 30.10.2019

Zerrüttet und erschöpft erreicht Antonia Berger mit ihrer schwer kranken Tochter 1952 Fürstenberg. Eine junge Frau erwartet sie mit Blumen und den besten Willkommensgrüßen der DDR. Der erste Weg führt ins Krankenhaus. "Warum kommen Sie erst jetzt?", fragt der Arzt. Antonia und die Parteimitarbeiterin bleiben stumm.

Bernd Böhlichs "Und der Zukunft zugewandt" handelt, basierend auf der Biografie der Schauspielerin Swetlana Schönfeld, vom staatlich verordneten Schweigen in der DDR. Denn Antonia hat, wie sie später erzählen wird, nicht in der Sowjetunion gearbeitet. Sie war seit 1940 in einem Gulag inhaftiert, unschuldig verurteilt als Spionin, obwohl sie mit voller Überzeugung für den Kommunismus eingetreten war. Nach Hause zurückgeholt, gibt man ihr eine Wohnung und eine gute Arbeit. Im Gegenzug muss sie unterschreiben, niemals über ihre Vergangenheit zu sprechen.

Alexandra Maria Lara trägt dieses politische Historiendrama voll Fünfzigerjahre-Mode, -Frisuren und -Möbel. Inszeniert ist die Geschichte einer Frau, die trotz aller Lügen, die angeblich zum Wohle des Volkes notwendig sind, an ihren Idealen festhält, angenehm unaufgeregt. Doch Böhlich will zu viel, vor allem zeitlich: Eine Spanne von 50 Jahren wird aufgerufen, ohne sie bebildern zu können. Nach hinten und nach vorn franst die 1952 und 1953 - sowie in einer Rahmenhandlung 1989 -angesiedelte Handlung aus. Im Gebälk der Dialoge kracht es zuweilen: So muss Antonia, ehemals Mitglied der Kolonne Links, die Geschichte dieser realen deutschen Agitprop-Gruppe, die den Stalin'schen Säuberungen zum Opfer fiel, während eines Heulkrampfs hervorpressen. Dann schon lieber die guten alten Erklärtexte am Anfang des Films, auf die viele andere Historiendramen zurückgreifen.

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