Filmkritik

Wenn es Liebe wäre

Si c’était de l’amour

Si cՎtait de lÕamour, Patric Chiha, Frankreich, 2020, V'20, Dokumentarfilme - © © Viennale

Si cՎtait de lÕamour, Patric Chiha, Frankreich, 2020, V'20, Dokumentarfilme (Foto: © Viennale)


Chiha zeigt Ausschnitte von Gisèle Viennes Tanzstück "Crowd", das die Rave-Szene der Neunzigerjahre reflektiert. 15 junge Frauen und Männer bewegen sich zu Technomusik in extremer Verlangsamung. In Zweiergesprächen mit den Tänzer/innen ist die zentrale Frage: Wie viel von dir selbst gibst du in den vorgegebenen Part? Eine Trennung zwischen der Bühnen- und der eigenen Persönlichkeit ist nicht vorgesehen.

Regie:
Regie:
Patric Chiha
Land/Jahr:
Land/Jahr:
F/Ö 2020
Genre:
Genre:
Dokumentarfilm
Dauer:
Dauer:
82 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Festival:
Festival:
Österreich real: Inszenierte Formen des Dokumentarischen
Kinostart:
Kinostart:
21. Mai 2021

Tanzkunst in Zeitlupe

SABINA ZEITHAMMER | 19.05.2021

Es ist eine so einfache wie geniale Idee: Für ihr Stück "Crowd" lässt die Choreografin Gisèle Vienne 15 Tänzerinnen und Tänzer in Zeitlupe verfallen. In dem Werk, das in die Rave-Partyszene der 1990er zurückführt, spielt sich nun alles wie unter einem Zeitmikroskop ab: selbstvergessene Ekstase, Flirts, sich anbahnende Küsse, Konflikte, Tränen und Erschöpfung.

Patric Chihas "Wenn es Liebe wäre", benannt nach einem kryptischen Seufzer aus dem Film, begleitet eine Tournee des Ensembles mit "Crowd". Wie das Opernkino ermöglicht dieses Tanzkino den Blick auf Details, die in einer Livevorstellung vom Zuschauerraum aus kaum zu erkennen sind. Zwischen den Aufnahmen von Proben und Aufführungen unterhalten sich die Protagonisten paarweise über ihre Arbeit. Die Frage, was hier dokumentierte Plauderei und was geplantes Gespräch ist, stellt sich dabei gar nicht. Ziel ist es, den überraschend detaillierten Hintergrund des Tanzstücks zu beleuchten: Wie in einem Film hat jede Figur eine Vergangenheit, die sie zur "Party" mitbringt. Wie Schauspieler rufen die Tänzer dafür Elemente ihrer eigenen Biografie ab -und erleben mitunter eine herausfordernde Überlagerung von Bühnenrolle und eigener Persönlichkeit. Hypnotisch, sinnlich, ein wenig abgründig: tolle Doku!

Ab 19.5. im Le Studio (OmU)

Dieser Film bei Video on demand

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