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An Impossible Project

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In dem Dokumentarfilm von Jens Meurer kommen Menschen zu Wort, die schon die Wendung zum Analogen suchten, als andere noch den Verheißungen der nächsten iPhone-Generation glaubten. Wie der exzentrische, aber sympathische Held des Films, Florian "Doc" Kaps, der 2008 sein gesamtes Vermögen riskierte, um mit einer kleinen Gruppe Idealisten die letzte Polaroid-Fabrik der Welt vor dem Aus zu retten. Ein beherzter Versuch, sich aus dem Griff der Technologien zu lösen.

Regie:
Regie:
Jens Meurer
Land/Jahr:
Land/Jahr:
D/Ö/GB 2020
Genre:
Genre:
Dokumentarfilm
Dauer:
Dauer:
93 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Kinostart:
Kinostart:
17. Februar 2022

Porträt eines Freigeists, Lob des Analogen: "An Impossible Project"

SABINA ZEITHAMMER | 16.02.2022

Sie wurde 1947 erfunden und erfreute sich jahrzehntelang überaus großer Beliebtheit: die Sofortbildkamera der Firma Polaroid. Bis die digitale Wende kam. 2007 stellte Steve Jobs das iPhone vor, Menschen campten vor den Geschäften. Analoge Technik wurde massenweise verschrottet, Polaroid schloss seine Produktionsstätten.

Doch ein Mann stemmte sich dagegen: Dem Österreicher Florian Kaps, als ehemaliger Biologe mit Spezialisierung auf Spinnenaugen von seinem Umfeld bloß "Doc" genannt, gelang es 2008, die letzte Sofortbildfilm-Fabrik im niederländischen Enschede zu erhalten. Unter dem neuen Firmennamen "The Impossible Project" - den alten durften Kaps und sein Team nicht verwenden - wurde die Fabrik weitergeführt. Wenn auch begleitet von erheblichen Rückschlägen, denn die komplexe chemische Formel, auf der diese Fototechnik beruht, war verloren gegangen

In seinem Dokumentarfilm "An Impossible Project" erzählt der deutsche Regisseur Jens Meurer die Geschichte dieser Rettung, die sich mit dem Einstieg hipper Digital Natives und neuer Investoren fortsetzte und mit der Entwicklung eigener Kameras und der Rückbenennung in Polaroid erfolgreich endete. Vor allem aber porträtiert Meurer Doc, diesen Freigeist und Träumer, der alsbald aus seiner eigenen Firma gefeuert wurde und sich anderen analogen Projekten zuwandte: etwa einer "Wunderkammer", die in Wien seltene Technik wie etwa Vinyl-Video versammelt. Oder etwa der Wiedernutzbarmachung des legendären Südbahnhotels Semmering.

Von Docs schrullig-charismatischer Person, einer wahren "Filmfigur" aus dem echten Leben, leiht sich Meurers Doku ihren fröhlichen, humorvollen Ton: Selbst großteils mit analogen Methoden hergestellt, begleitet sie Doc zu allerlei Enthusiasten des Analogen und singt ein Loblied auf alte Erfindungen. Ein sympathischer und lustvoller Aufruf zu Digital Detox, der gegen Ende allerdings immer körperloser wird und ein wenig verschwurbelt zwischen Silicon Valley und Semmering hängenbleibt: Träumerische Begeisterung lässt sich auch auf 35-mm-Film nur bedingt bannen.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)

Dieser Film bei Video on demand

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