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Herr Bachmann und seine Klasse

Herr Bachmann und seine Klasse - © Filmgarten

Herr Bachmann und seine Klasse (Foto: Filmgarten)


Dieter Bachmann, Mitte 60, ist Lehrer einer Brennpunktklasse in Stadtallendorf im Westen Deutschlands: 19 Kinder zwischen 12 und 14 Jahren aus zwölf Nationen. Die einen in Deutschland geboren, die anderen pauken erst seit ein paar Monaten Deutsch. Mit Strickhaube, Kapuzenpulli und AC/DC Shirt fällt er schon kleidungstechnisch auf. Bachmann schafft mit seiner unkonventionellen Art aus einer Klasse einen Vertrauensraum, die Fächer Reden, Zuhören und Musik stehen im Vordergrund. Maria Speth begleitet mit empathischer Zurückhaltung die Höhen und Tiefen eines Schuljahres und lässt in 217 Minuten berührende Gespräche und Beziehungen reifen, die zu Herzen gehen und ganz beiläufig von den Strukturen einer kleinen Industriestadt erzählen. Am Ende wünschte man sich jede Klasse hätte ihren eigenen Bachmann. (Martin Nguyen)

Regie:
Regie:
Maria Speth
Land/Jahr:
Land/Jahr:
D 2021
Genre:
Genre:
Dokumentarfilm
Dauer:
Dauer:
217 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Kinostart:
Kinostart:
13. Dezember 2021

Schule geht auch anders

MARTIN NGUYEN | 15.12.2021

Dieter Bachmann ist kein gewöhnlicher Lehrer. Mit Strickhaube und AC/DC-Shirt fällt der 65-Jährige an der Gesamtschule in Stadtallendorf, einer hessischen Industriestadt schon kleidungstechnisch auf. Bachmann schafft mit seiner unkonventionellen Art aus der Klasse mit Kindern aus 12 Nationen einen Vertrauensraum, die Fächer Reden, Zuhören und Musik stehen im Vordergrund.

Maria Speth spiegelt in ihrem wunderbaren Dokumentarfilm "Herr Bachmann und seine Klasse" den Ansatz wider und schafft einen filmischen Vertrauensraum. Mit empathischer Zurückhaltung beobachtet sie in langen Einstellungen die Höhen und Tiefen eines Schuljahres, lässt berührende Gespräche und Beziehungen in 217 Minuten heranreifen. Am Ende werden sich die Wege der Kinder trennen, Noten über die weitere Schullaufbahn entscheiden: eine Entscheidung, die im Laufe des Films stets mitschwingt. Dennoch schafft es Bachmann daneben Konflikte und Widersprüche über Geschlechterrollen, Homosexualität und Heimat zu thematisieren: stille Mädchen werden dabei gestärkt, einfühlsame Burschen gelobt. Dem Film gelingt eine zu Herzen gehende Momentaufnahme, die in der Biografie der Kinder und beim Publikum fühlbar nachhallen wird. Man wünschte sich dann jede Klasse hätte ihren Bachmann.

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