Empfohlen Filmkritik

The Card Counter

Oscar Isaac in: The Card Counter - © © Focus Features

Oscar Isaac in: The Card Counter (Foto: © Focus Features)


Der ehemalige Verhörspezialist Bill Tell (Oscar Issac), der sich nach seinem Militärdienst im Gefängnis zum Pokerspieler mit außergewöhnlichen Fähigkeiten entwickelt hat, nimmt den jungen Cirk unter seine Fittiche. Dieser möchte Rache an einem mittlerweile pensionierten Major nehmen. Tell, der mit diesem gleichfalls eine Rechnung offen hätte, sieht darin eine Möglichkeit zur Wiedergutmachung seiner Schuld. Gemeinsam mit Cirk und der mysteriösen La Linda, die in professionelle Gambler investiert, reisen sie von Casino zu Casino, mit dem Plan, die World Series of Poker in Vegas zu gewinnen. Ein unerwartetes Meisterwerk, höchste Empfehlung. (Michael Omasta)

Regie:
Regie:
Paul Schrader
Darsteller:
Darsteller:
Oscar Isaac, Tiffany Haddish, Tye Sheridan, Willem Dafoe
Land/Jahr:
Land/Jahr:
USA/GB/CHN 2021
Dauer:
Dauer:
112 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Festival:
Festival:
Volxkino 2022
Kinostart:
Kinostart:
4. März 2022

Die Folter endet nie: Paul Schraders "The Card Counter"

DAVID AUER | 02.03.2022

In gewohnt Bresson' scher Fasson inszeniert Paul Schrader "The Card Counter" recht spartanisch, aber nicht witzlos. Das Asketische daran fast selbstparodierend, hüllt der Protagonist die schmucklosen Motelzimmer, in denen er übernachtet, systematisch in weiße Laken. Ist er ein Serienkiller? Nein, aber er war Serienquäler bzw. Folterknecht im Folterknast von Abu Ghraib.

So erschreckend kompetent, wie er da brilliert hat, verdingt er sich nach abgesessener Haftstrafe für seine Untaten nun als Kartenkönner. Passiv wütend, dauerbrütend und -wie einst der Pfarrer in Schraders vorherigem Film, "First Reformed"(2017) - sich das innere Martyrium von der gepeinigten Seele schreibend, tingelt der vom eh immer guten Oscar Isaac verkörperte mysteriöse Drifter cool von Casino zu Casino. Und einsam - bis ihm zwei die Chance auf Erlösung vom Poker-Purgatorium eröffnen. Die eine verspricht ihm Geld und Liebe (frech: Tiffany Haddish), der andere (untergründig zornig: Tye Sheridan) als Protegé so etwas wie Wiedergutmachung.

Isaacs Name im Film, William Tell, ist Programm und telling, verrät also so manches. Beim Poker ist der Begriff "Tell" geläufig als Riss im Pokerface, also das Bröckeln der stoischen Fassade.

Die des Films bricht sporadisch auf qua effektiv eingesetzter Folter-Flashbacks durchs surrealisierende Fischaugenobjektiv (das Willem Dafoes Folterchef-Face zur grotesken Fratze deformiert). Eine farbenfrohe Lichtermeer-Szene gerät gar romantisch, ja, nahezu ekstatisch. Dem Casino-Milieu hingegen treibt Schrader Glanz und Glamour aus wie der Protagonist dem Glücksspiel das Glück. Und der Selbstjustiz nimmt er das Heroische, wie es in vielen dumpfen Rachefilmen normalerweise herrscht.

Die religiösen Motive in diesen Film drängen sich nicht allzu unangenehm auf, im Gegensatz zum unablässig raunenden Refrain im Score manchmal, der sonst schön unheimlich dauerdröhnt. Die Patchwork-Familie ist hier so wenig heilig wie die biologische, dafür fließt der Spiritus wie zur Kommunion. Amen bzw. Prost!

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv und Filmcasino)

Dieser Film bei Video on demand

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