Empfohlen Filmkritik

Abteil Nr. 6

Hytti nro 6 (Compartment No. 6)

© 2021 Sami Kuokkanen Aamu Film Company

Foto: 2021 Sami Kuokkanen Aamu Film Company


Auf dem Weg in Richtung Murmansk kommen zwei höchst unterschiedliche Charaktere im selben Zugabteil zu sitzen: die finnische Studentin Laura und Ljoha, ein trinkfreudiger, übergriffiger Russe und Inbegriff toxischer Männlichkeit. Mehrere Tage währt die Fahrt, auf der in diesem melancholisch-komischen Roadmovie durch das vom Verfall gezeichnete, winterliche Nachwende-Russland ganz glaubhaft das Kunststück gelingt: eine zwischenmenschliche Annäherung.

Regie:
Regie:
Juho Kuosmanen
Darsteller:
Darsteller:
Yuriy Borisov, Seidi Haarla, Yuliya Aug, Dinara Drukarova, Polina Aug, Tomi Alatalo
Land/Jahr:
Land/Jahr:
FL/D/EST/RUS 2021
Genre:
Genre:
Drama, Komödie
Dauer:
Dauer:
107 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Festival:
Festival:
Kino am Dach 2022
Kinostart:
Kinostart:
1. April 2022

Begegnung auf Schienen: "Abteil Nr. 6"

SABINA ZEITHAMMER | 30.03.2022

Zigarettenrauch und Wodkadunst, das Odeur von sauren Gurken und Wurst, gemischt mit dem Aroma eines Zuges, in dem schon Tausende gereist sind: Geruchskino wünscht man sich im Fall von "Abteil Nr. 6" nicht. Während einer mehrtägigen Zugfahrt vom winterlichen Moskau ins eisige Murmansk treffen darin Ende der 1990er-Jahre zwei Fremde aufeinander, die Finnin Laura und der Russe Ljoha. Sie, die jahrtausendealte Felszeichnungen nahe Murmansk besichtigen will und die sterbende Liebe zu einer Russin zu verarbeiten hat, kann ihn, einen trinkfreudigen, machohaften Bergarbeiter, auf Anhieb nicht leiden. Zusammengepfercht in einem Abteil merken sie aber: Langsam wochs ma z'amm - unsere erwachsenen Ichs, die wir selbst nicht so genau kennen, oder auch nur unsere inneren Kinder, die echt ganz schön einsam sind.

Inspiriert von Rosa Liksoms gleichnamigem Roman, erzählt Juho Kuosmanen in seinem launigen, rauen, leicht verkanteten Roadmovie vom Hineingeworfensein ins Leben, vom Streben, Loslassen und der Erkenntnis, dass ein wenig Gesellschaft und Spaß in dem ganzen Chaos vielleicht schon alles ist, was man verlangen kann. Grundsätzlich fein gelungen, nur das Klischee des Helden -Ljoha als Beschützer, als Erfüller von Lauras Wünschen - kann nerven.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)

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