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Spencer

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Nach seinen Filmen über Jackie Kennedy und Pablo Neruda hat sich Regisseur Larraín nun der 1997 unter tragischen Umständen verstorbenen Prinzessin Diana Spencer angenommen. Zwischen Legende und Wahrheit imaginiert er drei Tage Weihnachten bei den britischen Royals. Kurz vor der Ankunft auf dem Anwesen Sandringham in Norfolk hat Diana von Charles' Affäre mit Camilla erfahren und wandelt fortan zwischen Magersucht und Aufbegehren stets am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Rockt überdimensionale Perlenohr- und Augenringe als blonde Schmerzensfrau: Kristen Stewart.

Regie:
Regie:
Pablo Larraín
Darsteller:
Darsteller:
Kristen Stewart, Timothy Spall, Jack Farthing, Sean Harris, Sally Hawkins
Land/Jahr:
Land/Jahr:
D/GB 2021
Genre:
Genre:
Drama
Dauer:
Dauer:
111 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Kinostart:
Kinostart:
13. Januar 2022

Flucht aus dem toxischen Königshaus: Pablo Larraíns "Spencer"

SABINA ZEITHAMMER | 12.01.2022

Zu Beginn der royalen Weihnachtsfeierlichkeiten, so will es die gute alte englische Tradition, werden alle Gäste auf einer antiken Personenwaage abgewogen. Das mehrtägige Vergnügen mit vielen Mahlzeiten, Kirchenbesuch, Bescherung und Jagd soll sich messbar in ihrer Leibesfülle niedergeschlagen haben, wenn sie, erneut gewogen, wieder abreisen.

Prinzessin Diana, die junge, schöne Frau von Prinz Charles, konnte dem lästigen Ritual jahrelang entgehen. Doch Ende 1991 ist alles anders. Unter den Argusaugen der Familie, des Personals und der Paparazzi soll sie auf dem königlichen Landsitz Sandringham gute Miene zum bösen Spiel machen. Denn die Ehe mit Charles ist nur noch eine Lüge: Gerade hat Diana von seiner Affäre mit Camilla erfahren.

Nach Jackie Kennedy ("Jackie", 2016) hat sich der chilenische Regisseur Pablo Larraín der ehemaligen Princess of Wales angenommen und mit "Spencer" die "Fabel einer wahren Tragödie" geschaffen. Plötzlich selbst zu einer Art Einrichtungsgegenstand im Königshaus degradiert, der einen hohlen Zweck erfüllen soll, steht Diana vor den Trümmern ihres bisherigen Lebens. Larraín setzt sie, in ihrem Schmerz isoliert und dem Nervenzusammenbruch nahe, in großteils leere Räume, in denen sie wie ein eingefangenes Wildpferd auf und ab läuft, wie ein Schmetterling unter einer Glasglocke flattert und zittert.

Zwiegespräche mit Freund und Feind wechseln sich mit (albtraumhaften Szenen ab, die ihr inneres und äußeres Eingesperrtsein drastisch bebildern. Das Porträt von Diana als blonder Schmerzensfrau, die die körperliche und psychische Vereinnahmung des Königshauses ständig buchstäblich herauskotzen muss, um nicht den Verstand zu verlieren, hat dabei etwas Repetitives. Umso stärker wirkt der Ausbruch, der der von Kristen Stewart mit spürbarer Leidenschaft verkörperten Britin schlussendlich gelingt: Ein alltäglicher Akt, der nur einer echten Prinzessin zur Rebellion gereicht.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino, Votiv und DeFrance)

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