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Verschwinden / Izginjanje

© Soleil Film/Andrina Mračnikar

Foto: Soleil Film/Andrina Mračnikar


Während des Ortstafelsturms im Jahr 1972 wurden in Kärnten nicht nur zweisprachige Ortstafeln abmontiert, der Mob hinterließ auch Schmähbotschaften auf den Anwesen von Kärntner Slowenen und drang in den Pferdestall von Andrina Mračnikars Großmutter ein. Als Filmemacherin beschäftigt sich Mračnikar mit der Geschichte und Gegenwart der Kärntner Slowenen – und dem langen Warten auf die Inkraftsetzung von Rechten, die ihnen 1920 im Zuge der Kärntner Volksabstimmung zugesichert wurden. "Verschwinden / Izginjanje" handelt vom Schrumpfen der Zahl Slowenischsprachiger zu einer immer kleineren Minderheit: Was bedeutet es, wenn eine Sprache nicht mehr weitergegeben wird? Wenn Menschen in ihrer Identität von klein auf diskriminiert werden? Ausgehend von den Erinnerungen ihrer Familie und in einem sehr persönlichen, zweisprachigen Voiceover sucht Mračnikar Antworten. (Sabina Zeithammer)

Regie:
Regie:
Andrina Mračnikar
Land/Jahr:
Land/Jahr:
Ö/SL 2022
Dauer:
Dauer:
99 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Kinostart:
Kinostart:
5. Oktober 2022

Vom langen Warten auf Gerechtigkeit

SABINA ZEITHAMMER | 05.10.2022

Zu Beginn eine tote Stute, erhängt in einer Schreckensnacht: Während des Ortstafelsturms im Jahr 1972 wurden in Kärnten nicht nur zweisprachige Straßenschilder abmontiert, ein Mob hinterließ auch Schmähbotschaften auf den Anwesen von Kärntner Slowenen und drang in den Pferdestall von Andrina Mračnikars Großmutter ein. Als Filmemacherin beschäftigt sich Mračnikar mit der Geschichte und Gegenwart der Kärntner Slowenen - und dem langen Warten auf die Inkraftsetzung von Rechten, die ihnen 1920 im Zuge der Kärntner Volksabstimmung, 1955 und in den Dekaden danach zugesichert wurden.

"Verschwinden/Izginjanje", dritter Teil ihrer Doku-Trilogie zum Thema, handelt vom Schrumpfen der Zahl Slowenischsprachiger zu einer immer kleineren Minderheit: Was bedeutet es, wenn eine Sprache nicht weitergegeben wird? Wenn Menschen in ihrer Identität von klein auf diskriminiert werden? Wie kann man gegensteuern? Ausgehend von den Erinnerungen ihrer Familie und in einem persönlichen, zweisprachigen Voiceover sucht Mračnikar Antworten. Ein aufklärendes, berührendes und mit sanftem Nachdruck anklagendes Werk, das von den entzückenden Geschichten, die slowenische Familiennamen erzählen, bis zur Herausarbeitung der "Ist halt so"-Einstellung von Kärntner Politikern reicht.

Filmemacherin Mračnikar verwebt Politisches und Persönliches

Ab Fr im Kino, Premiere am 5.10. im Metro Kinokulturhaus

Dieser Film bei Video on demand

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