Empfohlen Filmkritik

Wie im echten Leben

Ouistreham

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Erfolgsautorin Marianne Winckler beginnt ein Buch über Arbeiterinnen am Existenzminimum. Sie lässt sich in der Nähe von Caen nieder und schließt sich einem Team von Reinigungskräften an. Bei der Recherche wird sie mit wirtschaftlicher Schwäche und sozialer Unsichtbarkeit konfrontiert, entdeckt aber auch gegenseitige Hilfe und Solidarität, die diese Arbeiterinnen im Schatten vereint. Sozialdrama mit Laiendarstellerinnen und einer überragenden Juliette Binoche. Sehenswert!

Regie:
Regie:
Emmanuel Carrère
Darsteller:
Darsteller:
Juliette Binoche, Hélène Lambert, Léa Carne, Emily Madeleine, Patricia Prieur
Land/Jahr:
Land/Jahr:
F 2021
Dauer:
Dauer:
106 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Kinostart:
Kinostart:
30. September 2022

Das harte Leben der Reinigungskräfte

SABINA ZEITHAMMER | 28.09.2022

Marianne Winckler hat Regeln aufgestellt: kein Kontakt zu ihren Verwandten und Bekannten, Bezug einer winzigen Wohnung im nordfranzösischen Caen, fleißige Jobsuche -und den Plan, mit all dem aufzuhören, sobald sie eine Fixanstellung bekommt. Denn sie ist in Wahrheit nicht die Hausfrau, die von ihrem Mann verlassen wurde und nun als Reinigungskraft arbeiten muss; sondern eine Autorin, die für ein Buch über die Zustände in der Reinigungsbranche eine andere Identität annimmt.

"Wie im echten Leben" von Emmanuel Carrère beruht auf dem Bestseller "Le Quai de Ouistreham" (2010) der investigativen Journalistin Florence Aubenas. Das Sozialdrama folgt Marianne vom Behördenweg über verschiedene Putzjobs bis zu ihrer Tätigkeit auf der Fähre im Hafen von Ouistreham, auf der sie eineinhalb Minuten Zeit hat, um ein Bett neu zu beziehen. Die Handlung hat drei Beine: die prekären Arbeitsverhältnisse, die Solidarität unter den Reinigungskräften und den moralischen Konflikt, der daraus entsteht, dass Marianne eine Lüge lebt. Carrère und eine tolle Besetzung -Juliette Binoche im Kreis von Laiendarsteller:innen - bemühen sich redlich, diese Beine auszubalancieren. Im Streben nach Tiefe und Deutlichkeit bleibt der Film aber öfters eine wackelige Angelegenheit: Ein Ken Loach ist's nicht.

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