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Anima - Die Kleider meines Vaters

Anima- Die Kleider meines Vaters - © Familie Decker / Flare Film

Anima- Die Kleider meines Vaters (Foto: Familie Decker / Flare Film)


Filmemacherin Uli Decker wächst in Oberbayern auf. Sie wünscht sich, Pirat oder Papst zu werden, auf keinen Fall aber will sie sich den konservativen Rollenklischees in ihrem Heimatort unterordnen. Als ihr Vater stirbt, bekommt Uli von ihrer Mutter eine Kiste ihres Vaters geschenkt. Was sie dort entdeckt, stellt ihr Leben auf den Kopf. "Anima – Die Kleider meines Vaters" erzählt die Tragödie eines  Menschen, der sich selbst verleugnet, und wie diese Schattengeschichte eventuell auch die Filmemacherin geprägt hat. Das sehr Besondere an diesem "investigativen Familienfilm" ist die heitere, ja befreiende Form, die sie dafür gefunden hat: witzige Animationen und prägnante TV-Clips ergänzen die bewegenden Äußerungen der engsten Angehörigen. Ihre jüngere Schwester Cordula erinnert sich daran, dass daheim auch viel gestritten wurde. "Warum?", fragt die Regisseurin nach. "Na, wegen dir", sagt sie und muss lachen. (Michael Omasta)

Regie:
Regie:
Uli Decker
Land/Jahr:
Land/Jahr:
D 2021
Genre:
Genre:
Dokumentarfilm
Dauer:
Dauer:
94 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Kinostart:
Kinostart:
4. November 2022

Papa hat sich schön gemacht: "Anima"

MICHAEL OMASTA | 02.11.2022

Sympathisch, feinfühlig, introvertiert, so erinnern Freunde den 62-jährig nach einem bösen Radunfall verstorbenen Hauptschullehrer Helmut Decker. Aber vor allem sei er "zurückhaltend" gewesen, das bekam Tochter Uli Decker bei der Arbeit an ihrem außergewöhnlichen Film gleich mehrmals zu hören.

Den Grund für diese Zurückhaltung erfuhren sie und ihre Schwester am Totenbett des Vaters, erst da offenbarte ihre Mutter ihnen sein wohlgehütetes Geheimnis: Helmut war Transvestit. Über viele Jahre wussten nur seine Tagebücher von diesem Doppelleben. Ein "Outing" war für den gläubigen Katholiken in der bayerischen Provinz undenkbar, also wurde fast zwangsläufig "das Stück von der makellosen bürgerlichen Familie" gespielt.

Uli Decker erzählt in "Anima -Die Kleider meines Vaters" die Tragödie eines Menschen, der sich selbst verleugnet, und wie diese "Schattengeschichte" eventuell auch sie selbst geprägt hat. Das sehr Besondere an diesem investigativen Familienfilm ist die heitere, ja befreiende Form, die sie dafür gefunden hat: gewitzte Animationen und prägnante TV-Clips ergänzen die bewegenden Äußerungen der engsten Angehörigen. Ihre jüngere Schwester Cordula erinnert sich daran, dass daheim auch viel gestritten wurde. "Warum?", fragt die Regisseurin nach. "Na, wegen dir", sagt sie und muss lachen.

Ab Fr im Filmcasino, Premiere: 3.11., 20.15

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