Filmkritik

Er flog voraus - Karl Schwanzer, ein Architektenpoem

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Der Wiener Karl Schwanzer war Architekt von Weltgeltung, Visionär, Künstler, Legende, Lehrer und Poet, der Architektur als Instrument verstand, die Menschen glücklich zu machen. "Einem Branchenpublikum bietet die Doku wenig zu Form, Kontext und Details der Bauten: Hier ist keine Sasha Pirker, kein Heinz Emigholz am Werk, sondern good old Drohnenflug. Erweiterten Publika vermitteln die Eh-schon-kennen-Sitzpromis von Wolf Prix abwärts: Der Porträtierte war sehr wichtig." (Dr. Robnik)

Regie:
Regie:
Max Gruber
Darsteller:
Darsteller:
Nicholas Ofczarek
Land/Jahr:
Land/Jahr:
Ö 2022
Genre:
Genre:
Dokumentarfilm
Dauer:
Dauer:
73 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Kinostart:
Kinostart:
14. Oktober 2022

Architektenpoem mit Gestaltungsproblem

DREHLI ROBNIK | 12.10.2022

Der Wiener Architekt Karl Schwanzer plante bis zu seinem frühen Tod 1975 Büro-und Kulturbauten, die Glanzstücke eines hochdurchdachten, sanft poppigen, schnittig perfektionistischen Spätfunktionalismus sind: etwa Philips-Haus und Zwanz'gerhaus in Wien, BMW-Turm in München. Die Doku "Er flog voraus: Karl Schwanzer - Architektenpoem" von Max Gruber, der 2019 eine Schwanzer-(Hagio) Graphic-Novel vorlegte, versammelt Talking Heads im Plauderton zur Obsession: Mut, Schaffensdrang, Rastlosigkeit, zwei Gesichter ... Vision gelabelt per Konvention, Einzelgenie-Superlativ, dazwischen Super-8 von Schwanzers Reisen. Ausgedehnter Tiefpunkt ist die urvielsagende Schwanzer-Impersonation Nicholas Ofczareks, der blasiert wienernd Aktschinken abschreitet.

Einem Branchenpublikum bietet die Doku wenig zu Form, Kontext und Details der Bauten: Hier ist keine Sasha Pirker, kein Heinz Emigholz am Werk, sondern good old Drohnenflug. Erweiterten Publika vermitteln die Eh-schon-kennen-Sitzpromis von Wolf Prix abwärts: Der Porträtierte war wichtig. Elitärer Flair. Gegen anonyme Spezialistik, für kosmopolites Gesamtkunstwerk: Welche offene Tür dieser Diskurs in Zeiten viriler Starchitecture als Tourismus-Landmark einrennen will, ist fraglich. Der Gedicht rezitierende Konzern-CEO ist entbehrlich.

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