Neu im Kino Filmkritik

Menschliche Dinge

Les Choses humaines

© Jérôme Prébois © 2021 CURIOSA FILMS

Foto: Jérôme Prébois © 2021 CURIOSA FILMS


Alexandre ist angeklagt. Die 17-jährige Mila wirft dem Studenten, Sohn des TV-Journalisten Jean Farel und der feministischen Essayistin Claire Farel, vor, sie nach einer Partynacht in Paris vergewaltigt zu haben. Jetzt wird es kompliziert: Mila ist die Tochter von Claires neuem Lebensgefährten. Die Familien treffen sich im Gerichtssaal wieder. War es nun einvernehmlicher Sex oder doch Vergewaltigung? Der ausladende Film von Yvann Attal zieht sich auf die Grundaussage zurück, es gebe zwei unterschiedliche Wahrnehmungen eines Ereignisses und überlässt das Urteil dem Publikum. Nur ist das unbefriedigend. (Martin Nguyen)

Regie:
Regie:
Yvann Attal
Darsteller:
Darsteller:
Charlotte Gainsbourg, Ben Attal, Mathieu Kassovitz, Pierre Arditi
Land/Jahr:
Land/Jahr:
F 2021
Genre:
Genre:
Drama
Dauer:
Dauer:
138 min
Altersfreigabe:
Altersfreigabe:
Keine Angabe
Kinostart:
Kinostart:
25. November 2022

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MARTIN NGUYEN | 23.11.2022

Alexandre ist angeklagt. Die 17-jährige Mila wirft dem Studenten, Sohn des TV-Journalisten Jean Farel und der feministischen Essayistin Claire Farel, vor, sie nach einer Partynacht in Paris vergewaltigt zu haben. Jetzt wird es kompliziert: Mila ist die Tochter von Claires neuem Lebensgefährten.

Im Gegensatz zur Buchvorlage, die auf dem "Fall Stanford" basiert, widmet sich Regisseur Yvan Attal in "Menschliche Dinge" zu gleichen Teilen dem Umfeld des Täters und dem des Opfers. Die einflussreiche Familie Farel, gespielt von Pierre Arditi und Attals Ehefrau Charlotte Gainsbourg, versucht mit finanzieller Arroganz Alexandre (Attals Sohn Ben) freizukriegen. Milas Mutter, eine orthodoxe Jüdin, erschlägt die soziale Schmach -wer soll Mila jetzt zur Frau nehmen?

Im Gerichtssaal treffen sich die Familien wieder. War es nun einvernehmlicher Sex oder doch Vergewaltigung? Der ausladende Film macht es sich zu leicht, zieht sich auf die wohlfeile Grundaussage zurück, es gebe zwei unterschiedliche Wahrnehmungen eines Ereignisses, verbaut wahre Zitate ("wegen eines Aktes von 20 Minuten wird das Leben meines Sohnes zerstört") und vermeidet es, rund um die #Me-Too-Debatte Stellung zu beziehen. Er überlässt dem Publikum das Urteil. Nur ist diese Lösung reichlich unbefriedigend.

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