Lesekränzchen 2: „Das Experiment sind wir“ Christian Stöcker, Blessing Verlag

Das Lesekränzchen im FALTER-Buchclub ist ein Format, um gemeinsam Bücher zu lesen und zu besprechen. Durch die Kooperation mit Verlagen können wir in jedem Lesekränzchen einige Freiexemplare verlosen, die Leserunden stehen aber allen Mitgliedern des FALTER-Buchclubs offen. Hier veröffentlichen wir die besten Rezensionen der Mitlesenden. Viel Spaß beim Durchstöbern!

Rezensionen aus dem FALTER-Lesekränzchen

„Das Experiment sind wir“ von Christian Stöcker kommt mit dem grünen Umschlag aufdringlicher daher als dessen Inhalt. Der Autor schweift regelmäßig in „Exkurse“ ab, die zwar helfen, ein gerade in den Raum geworfenes Schlagwort zu verstehen, an und für sich recht interessant sind, aber dennoch irgendwie stören. Man beginnt leider erst im letzten Drittel des Buches zu verstehen, wohin der Autor will.

Gerade die ersten Kapitel des Buches wirken dadurch falsch am Platz und hätten wohl eher in ein „KI“-Buch gepasst. Trotzdem finden sich sehr interessante Fakten und Erwähnungen weiterführender Literatur, die einen Blick wert scheinen. 

(Rezension von Philipp Haidenbauer)

Wir taumeln von Krise zu Krise, fühlen uns angesichts der großen Herausforderungen unserer Zeit ohnmächtig, befeuern problematische Entwicklungen aber immer weiter – aus Unverständnis und dem Bedürfnis, nichts verändern zu müssen.

Der Psychologe und Journalist Christian Stöcker versucht in seinem Buch „Das Experiment sind wir“ diese problematischen Entwicklungen konkret aufzuzeigen und zu erklären. Gleichzeitig lenkt er den Blick auf mögliche Bremsmechanismen und stellt die Frage, wie künstliche Intelligenz dazu beitragen könnte, Klimakrise, problematische sozioökonomische Entwicklungen & Co. zu lösen – oder zumindest zu entschleunigen.

Christian Stöcker schafft es, das Thema künstliche Intelligenz aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten, was den Leser einerseits wohl angesichts der Möglichkeiten, die sich daraus heute schon ergeben, ein bisschen sprachlos – gleichzeitig aber auch aufgrund der negativen bzw. unvorhergesehenen Entwicklungen – etwas besorgt zurücklässt.

Das Buch ist spannend zu lesen, wenngleich streckenweise auch etwas langatmig. Am Ende des Buches wünscht sich der Leser wirkliche Lösungsansätze – auch wenn der Autor diese explizit nicht verspricht (und dies auch gar nicht halten könnte).

Der große Bonus des Buches ist es jedenfalls aus meiner Sicht, Menschen wachzurütteln, was die großen Herausforderungen, die große Beschleunigung betrifft. Und das hat der Autor geschafft.

(Rezension von Michaela Holy)

Christian Stöcker thematisiert in seinem brisanten und hochaktuellen Buch „Das Experiment sind wir“ für uns Menschen und unseren Planeten zukunftsweisende und entscheidende Entwicklungen. Eines der Hauptthemen, mit denen Stöcker sich in seinem Buch befasst, betrifft die Künstliche Intelligenz.

Stöcker gilt als Experte in diesem Bereich im deutschsprachigen Raum und kann auch der Leserin* Vieles verständlich und aufschlussreich vermitteln.

Die Richtung, in die sich manche vom Menschen hervorgebrachte Entwicklungen bewegen ist zum Großteil beängstigend oder zumindest besorgniserregend – z.B. die beinahe flächendeckende Überwachung und Datensammlung in China.

Als roter Faden führt durch das Buch die Exponentialfunktion. Zu einem großen Teil als eine Art Negativspirale, die uns Menschen, aber auch die Natur und unseren gesamten Planeten bedroht. Allerdings besteht durchaus auch noch Hoffnung, wenn wir lernen, die Exponentialfunktion zu nutzen und zwar nicht nur für ein noch Größer-Weiter-Schneller-Mehrmehrmehr.

Christian Stöcker bietet einen interessanten Überblick über aktuelle Geschehnisse, bringt auch bei bereits Bekanntem neue Aspekte ein, bietet weiterführende Buchtipps und erklärt in seinen immer wieder eingeworfenen Exkursen tiefergehend Themen, die er für zukunftsweisend hält.

Obwohl das Buch auch seine Schwachstellen hat – was v.a. einem eher schwachen Lektorat zuzuweisen ist – handelt es sich doch um eine sehr interessante und intelligente Lektüre, die sich lohnt.

(Rezension von Mona Wieshofer)

Ich habe „Das Experiment sind wir„ im FALTER-Lesekränzchen gewonnen und war sehr gespannt. Der Autor, ein 47-jähriger Psychologe (Hamburg) verspricht die Frage zu behandeln, wie wir die Große Beschleunigung so verstehen können, dass sie die Menschen nicht in den Abgrund führt, sondern allen Menschen ein besseres Leben ermöglicht.

Das Buch ist in zwölf Kapitel unterteilt (Von „Das Experiment sind wir“ bis „Nur die Exponentialfunktion kann uns retten“) und enthält viele Exkurse (zum Beispiel: Wie funktionieren neuronale Netze?).

Mir hat das Buch letztendlich gut gefallen, wenngleich ich mich manchmal zum Weiterlesen regelrecht zwingen musste. Manchmal ging der Autor meines Erachtens nach zu sehr ins Detail und ich verlor den roten Faden. Bis zuletzt fehlten mir die „neuen Denkwerkzeuge“ um das große Experiment zu durchschauen (von dem ich jetzt ein wenig kennen lernen durfte).

Für mich persönlich bleiben als wesentliche Lernerkenntnisse durch dieses Buch:

1.) Information ist nicht gleich Bedeutung

2.) Was eine exponentielle Entwicklung ist und

3.), dass wir die Werkzeuge haben „um das selbst angerichtete Unheil zu überwinden.“

(Rezension von Anita Steidl)

Eine spannende Sache – das exponentielle Wachstum – Veränderungen, die immer schneller verlaufen und von Wissenschaftlern „Die Große Beschleunigung“ genannt wird. Anfangs bereichernd und erwünscht können ihre Auswirkungen ab einem gewissen Zeitpunkt zerstörerisch und tödlich sein.

Die Gefahren durch Klimawandel, Globalisierung, digitale Hardware sind aus ursprünglich unterstützenden und hilfreichen Errungenschaften entstanden. Christian Stöcker spannt einen weiten Bogen über die zerstörerischen Gefahren dieser Großen Beschleunigung bis hin zur möglichen Rettung durch ebendiese.

Er beleuchtet die technischen Fortschritte wie Bio- und Internettechnologie, Künstliche Intelligenz und selbstlernende Maschinen wie auch die psychologische Seite. Wie tickt der Mensch und kann er es schaffen, die DGB einzusetzen, um die Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen? Diskussionswürdig ist auch die Frage, ob Bildungseinrichtungen auf die zukünftigen Herausforderungen genügend vorbereiten. Stöcker meint nein – die Inhalte und deren Vermittlung hätten sich seit 50 Jahren nicht verändert.

In Summe ist es ein interessantes, lesenswertes Buch mit viel Wissenswertem und vielen Ansätzen zum Weiterdenken. Letztendlich zeigt es aber doch die Ohnmacht des Einzelnen.

(Rezension von Susanne Jungnikl)

Das Buch ist im FALTER-Shop erhältlich: https://shop.falter.at/detail/9783896676771