Lesekränzchen 8: „Zebra im Krieg“, Vladimir Vertlib, Residenz

Das Lesekränzchen im FALTER-Buchclub ist ein Format, um gemeinsam Bücher zu lesen und zu besprechen. Durch die Kooperation mit Verlagen können wir in jedem Lesekränzchen einige Freiexemplare verlosen, die Leserunden stehen aber allen Mitgliedern des FALTER-Buchclubs offen. Hier veröffentlichen wir die besten Rezensionen der Mitlesenden. Viel Spaß beim Durchstöbern!

Rezensionen aus dem FALTER-Lesekränzchen

Das Buch lässt mich auch nach dem zweiten Teil etwas ratlos zurück: Auch im zweiten Teil gibt es
spannende Szenen - wie jene im Amtsgebäude. Und endlich taucht das versprochene Zebra auf. Und
das mehrmals. Das Zebra wird negiert, dafür werden Straßenhunde erschossen.

Viele Analogien, die hier verwoben werden, vielleicht zu viele, um noch den Faden durch die Geschichte
zu finden. Eine Geschichte, die ein bisschen an den Haaren herbeigezogen wirkt. Weil wieso setzt sich
Paul plötzlich für seine Nachbarn ein? Wirklich, weil er endlich einmal etwas richtig machen will? Man
nimmt es ihm nicht ab. Und man zweifelt, dass irgendwer so handelt und damit seine Familie in richtige
Schwierigkeiten bringt.

Das Traurigste nach der Lektüre des Buches allerdings ist: Die Schrecken des Krieges sind nur auf den
ersten und auf den letzten Seiten klar erkennbar. Aber vielleicht ist genau das das Wesen des Kriegs.

(Rezension von Günter F.)

Mich lässt die Geschichte ambivalent zurück.

Die bellenden Hunde, das Zebra ebenso. Die erwähnte Schwarz-Weiß-Symbolik finde ich passend, das
Bellen der Hunde steht eventuell für auffällige, laute Ablenkungen, es ist einschüchternd, daher sieht
man weg, in diesem Fall Paul, ohne sich detaillierter um die Vorgänge zu kümmern.

Dies ist ja in einer derart unübersichtlichen Lage auch schwer möglich. Der Roman war interessant zu
lesen, dennoch bleibt Vieles offen.

(Rezension von Ulrike T.)

Der Roman "Zebra im Krieg" von Vladimir Vertlib weckt keine Sympathien.
Ein Krieg, ein Machtwechsel in einem Land, das stark an die Ukraine und ihre momentane Lage erinnert,
ein Mann, der versucht seiner Tochter in dieser Situation Sicherheit zu geben, strauchelt.

Wie verhält man sich, wenn die Unsicherheiten groß sind, die Stabilität verloren geht?

Mit viel Symbolik, einem Stil, der an Romane von Kafka erinnert, wird das Gefühl der Zerrissenheit, der
Ohnmacht und der Klarheit, dass Krieg und Konflikte selten das Positive der Menschlichkeit
hervorbringen, vermittelt.

"Zebra im Krieg" ist in seiner Aktualität erschreckend, beinahe scheint es, als hätte der Autor in seine
Glaskugel geblickt und bereits eine Vorahnung der aktuellen Geschehnisse erhalten.

Das Buch ist ein "Antikriegs-Roman", der Leser bleibt zurück mit der Frage, wie er selbst sich in
manchen Situationen verhalten würde, vielleicht auch mit dem unangenehmen Gefühl, dass dies wohl
nicht so leicht zu beantworten wäre.

Fazit: Der Roman hat mich herausgefordert, angestrengt, tageweise wurde er auch ignoriert. Die
Themen Krieg, der Umgang mit sozialen Medien, Verantwortung und Haltung forderten mich zum
Nachdenken auf. Trotz allem lesenswert! Ein Buch ohne Helden... nichts ist so schwarz-weiß wie ein
Zebra!

(Rezension von Sabine R.)

Paul ist Flugzeugingenieur, verheiratet mit einer Ärztin, Vater einer Teenagertochter und sein Land ist im
Bürgerkrieg. Seit er arbeitslos ist, verbringt er viel Zeit vor dem Computer und ist süchtig danach
geworden, Beiträge zu kommentieren und andere zu beschimpfen.

Dummerweise erwischt er dabei einen der neuen Rebellenführer.

Als diese Pauls Stadt erobern rächt sich der Rebellenführer. Er lässt Paul abholen, bedroht ihn, so lange
bis Paul sich in die Hose macht. Das Video davon geht viral, Paul wird wieder frei gelassen.

So weit so gut. Doch nun würde man annehmen, dass Paul alles daran setzen würde, sich und seine
Familie in Sicherheit zu bringen oder wenigstens möglichst unauffällig zu bleiben. Nicht so Paul. Der
wendet sich an zwei zwielichtige Typen, die ihm helfen sollen, seinen Namen rein zu waschen.

Und so geht es weiter. Es ist Krieg, doch der bleibt irgendwie steril und nicht greifbar, Pauls größte Sorge
ist immer noch das Video (sehr realistisch, wenn man mit seiner Familie mitten im Krieg sitzt!), der
Roman bewegt sich irgendwo zwischen Gesellschaftskritik, Satire, kafkaesker Erzählung und realer
Darstellung des Alltags in einer umkämpften Stadt, legt sich aber nicht wirklich fest und als Leserin fragt
man sich ständig, was das nun wieder soll.

Es gibt ein paar sehr gelungene Szenen, in denen z.B. beschrieben wird, wie es dazu kam, dass er so
süchtig danach wurde, im Internet zu kommentieren, auch eine Szene mit seinen jüdischen Nachbarn
gefiel mir sehr gut. Insgesamt fehlte mir eine Linie, ein Ziel, es gab zu viele verschiedene Ansätze, die
sich für meinen Geschmack leider nicht zu einem Ganzen fügten.

Schade, ich mag den Autor und hatte mehr erwartet. Zebra im Krieg konnte mich leider nicht
überzeugen.

(Rezension von Petra G.)

Das Buch ist im FALTER-Shop erhältlich: https://shop.falter.at/detail/9783701717521


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