Bars Lokalkritik

Hannelore Bar

© Katharina Gossow

Foto: Katharina Gossow


Hybrid aus Bar, Lounge und Club. Kleine Barsnacks; div. Cocktails, Highballs und Spirits. DJ (allerdings keine Tanzfläche).

Adresse:
Adresse:
Dorotheergasse 6–8
1010 Wien
E-Mail:
E-Mail:
reservation@horst-group.com
Website:
Website:
linktr.ee/hannelore.vienna
instagram.com/hannelore.vienna
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Sa 17–4 öffnet um 17:00 Uhr
Aufgrund der aktuellen COVID-Richtlinien gilt derzeit für die Gastronomie die 2G-Regel sowie eine allgemeine Sperrstunde um 22 Uhr. Bitte beachten Sie, dass die aktuellen Öffnungszeiten ggf. abweichen können.
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Bars
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen nach Mitternacht, Musik

Mitten im Ersten

Is it a club? Is it a bar? No, it’s Hannelore! Die Neue in der Wiener Nachtgastro

FLORIAN HOLZER | 14.9.2021

Die Club-Kultur ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Lokale wie Praterstraße oder die diversen Martin-Ho-Etablissements atmen kaum noch Underground, die Möglichkeit, dass Besucher dort auf ihre Eltern treffen, ist zumindest nicht ausgeschlossen. Das ist hart für all die Veranstalter, die Underground für jene Sparte der Kultur als identitätsstiftenden Bestandteil erachten und sich durch den Mainstream ihrer Begrifflichkeit beraubt sehen. Und das ist fein für die Profiteure dieses Trends, die mit ihren „Clubs“ ein rasant wachsendes Publikum erreichen, deren Betriebe immer größer, mehr und umsatzstärker werden, die DJ-Evergreens mit zugkräftigen Namen buchen können und Gehör bei Politikern und auflagenstarken Medien finden.

Joachim Natschläger ist ein gutes Beispiel für zweitere Kategorie. Er gilt augenblicklich als einer der großen Macher in der Wiener Nacht­gastronomie, betrieb zwei Jahre lang den Empire Club an der Wiener Neustädter Peripherie, bis vor zwei Jahren den Pop-up-Club Horst im ehemaligen P1 in der Innenstadt und aktuell sowohl das Inc. im früheren Ost-Klub am Schwarzenbergplatz als auch das O – der Klub in der ehemaligen Albertina-Passage. Und weil man in Pandemiezeiten nie sicher sein kann, wie das mit den – sowohl Underground als auch Mainstream – Clubs so sein wird, diversifizierte er jetzt auch noch ins Gastronomische.

Natschläger übernahm das Erdgeschoßlokal über dem Casanova-Cabaret, das zwei Jahre lang als fensterloses Gourmetrestaurant namens Blue Mustard um sein Überleben rang, und machte daraus Hannelore, einen Hybrid aus Bar, Lounge und Club. Zwar mit DJ, aber ohne Tanzfläche, also ganz brav.

Eine Prise Kolonialkitsch wie in der Planters, etwas Moos an den Wänden wie im Calea, reichlich Gummibäume wie im Botanical Garden, schwarze Wand mit bunten Vogel- und Pflanzenbildern kennen wir noch aus dem Birdyard – und in der Mitte ein Baum! Das gab’s seit den 90ern nicht mehr.

Bei Cocktails, Highballs und Spirits bleibt man auch eher auf der breiten Straße, es gibt ein Gin-Tonic-Sortiment mit zehn verschiedenen Mischungen aus Gins und Bitterlimonaden (€ 12,5 bis € 15,–), der Gimlet mit frisch gepressten Limetten war okay (€ 13,–), beim Mixen des Dirty Martini macht der Barkeeper zwar ordentlich Action, allerdings kommt die Zutat, um die es bei diesem Drink geht – das Olivenwasser –, zu kurz, ein sehr „sauberer“ Dirty Martini also (€ 14,–).

Hunger sollte man in der Hannelore übrigens besser keinen haben, die Bar-Snacks haben wenig Witz, „Schnitzel Bites“ etwa sind vorfabrizierte panierte Fleischstücke, die in der Mikrowelle aufgetaut werden (€ 9,50). Wird wohl trotzdem funktionieren. Zumindest eine Zeit lang.

Resümee:

Einer der augenblicklich erfolgreichsten Veranstalter von Mainstream-Clubs in Wien macht eine Mainstream-Bar.


Hannelore, 1., Dorotheergasse 6–8, Mo–Sa 17–4 Uhr, linktr.ee/hannelore.vienna