Brasilianisch Lokalkritik

Rio Gostoso

© Heribert Corn

© Rio Gostoso

© Rio Gostoso


Brasilianisches Streetfood; Tapioca's süß oder pikant mit typisch brasilianischen Zutaten (Palmherzen, Goiabada, Brigadeiro). Vegetarisch und vegan möglich. Brasilianische Getränke, auch Bier. Wickeltisch. WLAN. 6 Sitzplätze im Lokal.

Anzeige

Adresse:
Adresse:
Wiedner Hauptstraße 34
1040 Wien
E-Mail:
E-Mail:
info@riogostoso.at
Website:
Website:
www.riogostoso.at
https://www.facebook.com/riogostoso/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo, Fr 10–16, Di–Do 11–18
Küche:
Küche:
Brasilianisch
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen zum Mitnehmen, Nichtraucherlokal, Rollstuhlgerecht, WLAN

Brat mir das Wurzelmehl

Streetfood einmal anders: Brasilianischer Teig aus Mehl vom Saft einer Wurzel
FLORIAN HOLZER | 20.3.2018

Der Platz scheint alternative Snackbars anzuziehen. Vorher war da eine vegane Hanfmilchbar drin, allerdings nicht sehr lange, und seit vorigem Spätherbst gibt es neben der Blutspendezentrale des Roten Kreuzes da jetzt eine Tapiocaria. Eine was? Na ein Lokal, in dem man knusprige Fladen aus Tapioca bekommt. Aber das sind doch weiße Kugerln, die es in hippen Asia-Läden als Nachspeise mit Kokosmilch gibt. Ja, auch.

Aber halt auch eine Art Mehl, das die armen Menschen im Norden Brasiliens aus der Flüssigkeit gewannen, die beim Reiben der Maniokwurzel abfiel. Und nichts kostete. Man machte da relativ aufwendig einen Teig daraus, buk Fladen, aß die mit Kokos und Kondensmilch zum Frühstück, erzählt Renato Cunha de Paula, Koch aus einem Vorort von São Paulo. Als das dann aber irgendwann als kulinarisch ausbaufähig und glutenfreies Superfood entdeckt wurde, kam Tapioca auch in den Süden, nach Rio und São Paulo, wurde dort mit feineren Zutaten gefüllt und zum Szenesnack.

Der es jetzt eben auch nach Wien schaffte. Weil Christian Reinisch und Karin Kappel Tapioca in Brasilien kennenlernten, super fanden und Renato Cunha de Paula davon überzeugten, das mit ihnen in Wien zu machen.

Er müsse das Tapiocamehl wässern, den Teig 24 Stunden gehen lassen. Der kommt dann frisch auf die heiße Platte, wird dort zu einer schneeweißen, knusprigen Crêpe mit seltsam rauer, kokosmäßiger Oberfläche gebacken, die derzeit in zwölf salzigen und sechs süßen Varianten angeboten wird.

Das Problem: So, wie man Tapioca in Brasilien ursprünglich isst, also heiß, knusprig und möglichst schlicht, interessiert das hier halt niemanden; und die Zutaten, mit denen Tapioca in Brasilien „interessant“ gemacht wird, bekommt man in Europa nur sehr schwer. Weshalb sich Renato Cunha de Paula damit behilft, seine kunstvoll gefertigten, ebenso gluten- wie geschmacksfreien Stärkefladen mit Mozzarella, Rucola, Schinken, getrockneten Tomaten, Hühnerfleisch oder einem brasilianischen Schmelzkäse namens Requeijao zu füllen. Was der brasilianischen Erwartung leider nur mäßig gerecht wird.

Also, warum dem Ganzen nicht mit tollen Saucen auf die Sprünge helfen, ich mein’, lateinamerikanische Küche ist doch eh gerade der letzte Schrei, warum also nicht mit Feijoada, mit Stockfisch, mit Koriander, mit argen Bahia-Gewürzen oder von mir aus mit diesen lustigen, bröseligen, süß-salzigen Erdnussriegeln, die da eh im Regal um einen Euro angeboten werden, füllen und dem knusprigen Zeug brasilianisch wirklich Gas geben?

Egal, ob man das in Brasilien authentisch so macht oder nicht, Mozzarella und Rucola wird man da original ja wohl auch nicht reingeben. Das könnte schon was können mit den Tapiocas, ein bisschen mutiger, ein bisschen spannender müsste man halt schon sein. Nicht nur glutenfrei.

Resümee:

Ein neuer, brasilianischer Streetfood-Fladen, der sein zweifellos vorhandenes Potenzial aber noch nicht so ganz ausschöpft.


Anzeige

Diese Lokale könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige