Stadtheurige Lokalkritik

Weinstüberl Horvath

© Heribert Corn


Belegte Brote (€ 2,80 bis € 3,80). Österreichische Weine. Jeden Sonntag Pubquiz. WLAN. Fallweise Live-Musik. Schanigarten für ca. 70 Pers.

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Adresse:
Adresse:
Spittelberggasse 3
1070 Wien
Telefon:
Telefon:
01/956 14 12
E-Mail:
E-Mail:
office@weinstueberl.at
Website:
Website:
weinstueberl.at
https://www.facebook.com/weinstueberlhorvath/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
täglich 16–1
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Stadtheurige
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag, Musik, Raucherbereich, Schanigarten, WLAN

Brot und Wein

Ein Spittelberg-Rohdiamant wurde geborgen. Über den Schliff kann man streiten
FLORIAN HOLZER | 7.2.2017

Der Spittelberg ist ein seltsames Terrain. Die lieblichen Gässchen mit perfekt renovierten Biedermeier-Häuschen werden nämlich so sehr von Touristen besucht, dass hier so ziemlich jedes Lokal überleben kann, egal ob gut oder schlecht, wobei gut mehr Aufwand, Kosten und Ideen erfordert. Und weil der Adventmarkt auch hier ungefähr eineinhalb Monate dauert und die Leute zu dem sogar aus fremden Ländern in Bussen anreisen, gibt es am Spittelberg selbst Lokale, die überhaupt nur während des Weihnachtsrummels aktiv sind, und zwar gar nicht einmal so wenige.

Eines davon ist das Weinstüberl Horvath, und bei dem konnte einem das Herz bluten, dass das da immer nur als saisonale Punschtankstelle missbraucht wurde. Wenn man durch die Fenster in das Souterrainlokal sah, waren da alte Heurigenholzbänke zu erkennen, ein alter Bretterboden, ein uriges Ziegelgewölbe, vor allem aber eine herzerfrischend altmodische Schankanlage und eine bezaubernde Laube am Eingang, eine Echtheit also, wie sie am Spittelberg längst Seltenheitswert hat. Daran, dass das Weinstüberl Horvath wirklich in Betrieb gewesen wäre, kann sich allerdings kaum wer erinnern, lange Zeit gehörte es wohl Jürgen Stein, dem damaligen Besitzer der Creperie Brasserie Spittelberg, nach der Eröffnung des Nachfolgelokals Kussmaul im Sommer 2014 diente es eigentlich nur als dessen Schanigartenbereich.

Und jetzt hat es plötzlich offen. Jetzt leuchten die bunten Glühbirnen in der Laube, jetzt hat die alte Schank wieder Strom. Übernommen hat es ein interessanter Gastronom, nämlich Hamid Ajoudan, der seit seiner Eröffnung des Café Kafka im Jahr 2001 ein beachtliches Lokal-Imperium angesammelt hat, acht Lokale, darunter auch das legendäre Café Einhorn. Leider zeigte sich angesichts seiner Lokale Kreisky und Bukowsky, beide in der Siebensterngasse, dass es offenbar reicht, Alkohol einigermaßen billig anzubieten, Rauchen zuzulassen, Studenten hinter die Theke zu stellen und lange offen zu haben, um tolle Bewertungen bei Tripadvisor zu bekommen.

Und genauso läuft’s halt jetzt auch im bezaubernden, endlich offenen Weinstüberl Horvath. Die Weinkarte hält ein paar Getränke bereit, die hübsch beschrieben sind, allerdings verrät sie nicht, aus welchem Keller sie stammen. Und zu essen gibt’s belegte Brote, was in einem urigen Souterrainweinstüberl mit Holzbankerln ja generell keine schlechte Idee ist. Nur dass das Brot aus dem Supermarkt stammt und der Liptauer, der Schinken, das Verhackerte, die Blunze und der Eiaufstrich höchstwahrscheinlich auch, ist halt irgendwie traurig. Warum nicht gutes Brot, die Gragger-Filiale wäre nur 50 Meter weiter weg? Warum nicht Wein aus Wien, Biowein oder zumindest interessanter Wein?

Die Antwort ist hier am Spittelberg wohl bekannt: weil’s wurscht ist.

Resümee:

Eine bezaubernde alte Souterrainweinschenke am Spittelberg hat endlich wieder offen, scheint sich darüber aber nicht zu freuen.


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