Vietnamesisch Lokalkritik

Old Quarter

© Heribert Corn

© Manuel Peric/Post Meridiem; Graphic Design: Maximilian Huber / wearecellardoor

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Vietnamesisches Streetfood (HS € 6,20 bis € 6,70) allen voran Bánh Mí (vietnamesische Baguettes). Schanigarten für ca. 15 Pers.

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Adresse:
Adresse:
Westbahnstraße 10
1070 Wien
Telefon:
Telefon:
0664/270 17 90
E-Mail:
E-Mail:
xinchao@oldquarter.at
Website:
Website:
www.oldquarter.at
https://www.facebook.com/OldQuarterVienna/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Do 12–15 und 17–20.30, Fr 12–20.30, Sa 12–18 (Fei geschlossen)
Zahlungsmöglichkeiten:
Zahlungsmöglichkeiten:
Bankomat, VISA, MasterCard
Küche:
Küche:
Vietnamesisch
Sonstiges:
Sonstiges:
Nichtraucherlokal, Rollstuhlgerecht, Schanigarten

Die auf Koriander starren

Wiens dritte vietnamesische Sandwich-Adresse. Mit Koriander-Wahlmöglichkeit
FLORIAN HOLZER | 9.5.2017

Das mit den Sandwiches ist in Wien ein bisserl seltsam. Es herrscht zwar keine explizite Sandwich-Feindlichkeit in dieser Stadt, es gibt keine Demonstrationen gegen Sandwiches. Aber wirklich leicht haben’s die gefüllten Brote auch nicht: Vor vielen Jahren gab’s da etwa einmal einen zarten Tramezzini-Boom, aber wo sind die Tramezzini heute? Genau, in Italien. Und irgendwann griff dann auch der von London ausgehende Sandwich-Trend ein bisschen auf Wien über, zumindest kurz. Die Zukunft des Bánh mì wagt man sich daher gar nicht auszumalen – voriges Jahr begann das „beste Sandwich der Welt“ einigermaßen stark, wurde als „Megatrend“ verkauft, hat es mittlerweile aber auch nur auf drei Adressen gebracht.

Die jüngste davon ist das Old Quarter in der Westbahnstraße, Phung Van Nam – der junge Mann wurde in Vietnam geboren, wuchs in Kärnten und Linz auf, arbeitete im Service so renommierter Häuser wie Warmbaderhof in Villach, Hospiz am Arlberg und zuletzt im 25hours-Hotel in Wien – machte das früher berüchtigte Café Künstlertreff zu einem adretten, schicken Vietnam-Imbiss. Er wolle hier „ein anderes Vietnam“ zeigen, sagt er, Imbiss-Küche anbieten, die nicht ausschließlich schnell und billig sei, sondern auch gut. Das heißt, er kauft bei lokalen Produzenten, macht so viel wie möglich selbst (die Mayonnaise etwa), für den vietnamesischen Kaffee nimmt er aus Vietnam importierte Bohnen einer Berliner Start-up-Rösterei, auch vietnamesische Schokolade einer französischen Schoko-Manufaktur bekommt man. Nur der Koriander stamme aus dem Asia-Laden, meint Phung Van Nam, wobei er zum Koriander ohnehin ein schwieriges Verhältnis habe, also konkret hasst er ihn.

Damit ist er zwar nicht allein, knapp 20.000 Menschen gefällt die Facebook-Seite „I hate cilantro“, für einen Vietnamesen ist es aber schon ein bisschen ungewöhnlich. Und deshalb fragt er bei der Bestellung auch, ob mit oder ohne Koriander.

Bestellen kann man im Old Quarter Sommerrollen und Bánh mì, beides frisch und gut gemacht, und jedes Mal, wenn Phung Van Nam aus der Küche kommt, ist der kleine Beagle, der in einem Indianerzelt beim Eingang wohnt, sehr aufgeregt. Vielleicht weil die Lemongrass-Tofu-Rolle super, frisch und köstlich ist (€ 2,20), die Pork-and-Prawns-Rolle okay, kommt aber nicht ganz heran (€ 2,60). Die Bánh mì sind wirklich toll, Phung Van Nam lässt sich das Sandwich-Brot von einem türkischen Bäcker extra mit ein bisschen Reismehl backen, das sorgt für die spezielle Knusprigkeit. Sieben Varianten gibt es, wählt man Braised Pork Belly, dann sind da außerdem noch frische Gurke, eingelegte Karotten und Rettich, Röstzwiebeln, Minze, Nüsse, Mayonnaise und eben Koriander drin. Ein wirklich sehr gutes, sehr ausgiebiges Sandwich. Wäre schön, wenn ihm das Wiener Sandwich-Schicksal erspart bliebe.

Resümee:

Ein hübsches, kleines Imbisslokal, in dem gezeigt werden soll, dass vietnamesisches Streetfood nicht zwangsläufig Fastfood sein muss.


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