Imbiss Lokalkritik

Zur flotten Charlotte

© Heribert Corn


Die Fusion der deutschen und österreichischen Wurst-Kultur. Wiener Currywurst, Bosna, doppelt frittierte Pommes, Salzgurken. Biere (österreichische und deutsche Brauereien) und Schaumwein. Schanigarten für 20 Pers.

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Adresse:
Adresse:
Kaiserstraße 121
1070 Wien
Telefon:
Telefon:
01/890 52 88
Website:
Website:
www.flatschers.at
www.zurflottencharlotte.at
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Di, Mi 18–2, Do–Sa 18–4
Zahlungsmöglichkeiten:
Zahlungsmöglichkeiten:
Bankomat
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Imbiss
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen nach Mitternacht, Schanigarten

Auf ’ne Wurst mit Jens-Uwe

Ein Wurstlokal, das die echte Currywurst aus Berlin importieren will
FLORIAN HOLZER | 7.3.2017

Wirklich flott ging’s ja nicht, muss man sagen: 2014 wurde „Zur flotten Charlotte“, das dritte Lokal von Andreas Flatscher – er ist sehr erfolgreich mit seinem Steakhouse Flatscher’s und den Flatscher’s Bistro, beide in der Kaiserstraße –, zwar angekündigt, machte dann aber einfach nicht auf. Das ging so über die Jahre hin, der Umbau vom Geschäft für Lebend-Reptilien zum Indoor-Würstelstand, die behördlichen Genehmigungen, die Lüftung, die Nachbarn, alles sehr schwierig, meint Flatscher.

Vielleicht wollte er aber einfach die eh schon ziemlich große Neugierde noch ein bisschen steigern. Immerhin wurde und wird verlautbart, Curry-wurst zu machen, und zwar wirklich, nicht so wie bei Wiener Würstelstandeln üblich. Und dass es Champagner gibt, und irgendwie dachte man sich, dass das nach einer ziemlich unsympathischen Hütte mit Après-Ski-Attitüde klingt. Ist dann aber gar nicht so schlimm, vielmehr hat Andreas Flatscher da ein Wurstlokal hingestellt, wie es das in puncto Ambition seit dem Kiosk in der Schleifmühlgasse nicht mehr gab.

Das fängt damit an, dass Flatscher mit seinem Küchenchef für drei Tage nach Berlin fuhr und sie nur Currywurst aßen und analysierten; das geht damit weiter, dass er sich vom Fleischhauer seines Vertrauens die Wurst nachbauen und vom Küchenchef die Currysauce von Hand fertigen ließ. Das schließt mit ein, dass er einen „Bier-Fernseher“ hat, in dem aus jedem Bundesland Österreichs ein Brauwerk vertreten ist, und die deutschen Hopfen-Ikonen wie Tegernseer, Astra, Jever, das herrliche Flensburger oder das Ratsherren Pils aus Hamburg auch.

Und weil er ja aus Salzburg stammt und die deutsch-österreichische Parität in „Zur flotten Charlotte“ stets Thema sein soll, erforschte er auch das Wesen der Bosna, ließ sich Weckerln backen, Würste füllen und eine Gewürzmischung zusammenstellen, die dem unvergleichlichen Original vom Balkan Grill im Getreidegassen-Durchgang möglichst nahe kommen soll. Gelang durchaus, muss man sagen, nicht ganz so weich wie in Salzburg, auch etwas größer, und man muss sich nicht eine Dreiviertelstunde anstellen (€ 4,50).

Bei der Currywurst ging Flatscher dann durchaus ein paar standortbedingte Kompromisse ein: trockener gebraten und nicht gehäutet, weil quasifrittiert und ohne Haut ließe sich hier schwer verkaufen. Aber die Sauce ist super, in drei Schärfegraden (alle harmlos!), die Pommes frites dazu klassischerweise zweimal frittiert, wirklich gut (€ 6,50). Die Bulette kann man sich sparen, dafür gibt’s einzeln abgefüllte Salzgurken im Glas (€ 2,–) und Edelschnaps im Partyflascherldesign. Vielleicht dann doch alles ein bisschen viel, aber okay. Und die Geschichte der Erfindung der Currywurst, die Flatscher auf Papiersackerln drucken ließ, ist auch ganz interessant.

Resümee:

Ein Imbiss, in dem Wurst gebraten, geraucht und deutsch-österreichische Schlager gespielt werden. Und wo es gute Currywürste und Bosna gibt.


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