Cafés, Espressos Lokalkritik

Café Telegraph

© Heribert Corn


Café in der ehemaligen Post-Filiale. Großes internationales Frühstücksangebot z.B.: russisches Frühstück, Kärtner Frigga, Huevos Rancheros usw. Brot von Kasses, Schinken von Thum, Süßmund-Kaffee. MM (HS mit Suppe € 7,90).

Anzeige

Adresse:
Adresse:
Garnisongasse 7
1090 Wien
Telefon:
Telefon:
0664/144 55 81
Website:
Website:
https://www.facebook.com/CafeTelegraph.at/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Fr 8–19, Sa, So 9–15
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Cafés, Espressos
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag, Frühstück

Eggs Papst Benedict

Frühstück ist unaufhaltsam. Jetzt frühstückt man sogar schon in der Post
FLORIAN HOLZER | 6.6.2017

Früher, in der Schulzeit, haben die Coolen ja nie gefrühstückt. Die Coolen haben am Bahnsteig geraucht, während wir auf den Zug warteten. Ich nicht, ich war nie cool, ich hab das Marmeladebrot gegessen, das sich zu Hause nicht mehr ausgegangen ist. Ein kindliches Trauma, das ich jetzt insofern kompensiere, als ich mir fürs Frühstück eine Stunde Zeit nehme, feinsten Bio-Toast mit französischer Salz-Butter und erlesenen Marmeladen aus der Hand rechtschaffener Marmelade-Köchinnen knabbere, Schafmilchjoghurt mit Beeren und Ostfriesen-Tee und frisch gepresste Tarocco vom Nino Crupi. Das ist alles sehr wichtig, danach kann der Tag beginnen, davor nicht.

Die Coolen rauchen heute zwar nicht mehr, dafür frühstücken sie aber. Außer Haus natürlich, denn Frühstück zu Hause ist eh immer noch uncool, Zollergasse und Kirchengasse sind ein einziger Breakfast-Bereich, das ganze Univiertel eine weiträumige Befrühstückungszone, überall wird gefrühstückt als gäb’s kein Mittagessen.

Jetzt auch in einer ehemaligen Post-Filiale in der Garnisongasse, die sich treffenderweise Café Telegraph nennt, mit ihrem Fliesenboden, den grauen Regalen und grauen Sitzbänken auch ein bisschen so aussieht, als könnte man da tatsächlich noch ein Paket abholen, tatsächlich aber antritt, der Stadt kompletteste Frühmahlzeit zu bieten.

Was ja gar nicht so leicht ist, denn das Acai-Bowl-, Porridge- und Avocado-Toast-Niveau in Wien liegt ja schon knapp an der absoluten Sättigungsgrenze, weshalb es im Telegraph eben auch noch sehr viel anderes gibt, also noch mehr als im Blaustern, Stadtkind, Figar, Café Français und wie die Frühstückshütten sonst noch heißen mögen. Es gibt russisches Frühstück „aus der Dose“, Kärntner Frigga, richtige Pancakes, Huevos Rancheros, Babaganoush und das englische Ensemble, es gibt sechs verschiedene Omelettes, fünf verschiedene Eierspeisen, vier verschiedene Eggs Benedict und drei verschiedene Bowls, außerdem wird täglich eine Reihe hübscher Eclaires gebacken und man bereitet sogar Croque Monsieur und Madame zu, sehr gut.

Also rein quantitativ schon mal alle Achtung, qualitativ aber auch, denn das Brot kommt vom Kasses, der Schinken vom Thum, die Eier aus Bio-Freilandhaltung und der Kaffee vom Süßmund.

„Ahoi Matrose“ – Mettbrötchen mit Kartoffelsalat – war leider nicht vorrätig, dafür erwiesen sich die ukrainischen Topfen-Küchlein „Syrniki“ mit Sauerrahm, Honig und Beeren als wirklich fein (€ 6,20) und die klassischen Eggs Benedict mit Schinken und leichter Hollandaise auf tatsächlich englischen Muffins als einigermaßen perfekt (€ 8,50).

Okay, der Café au lait hatte zu viel Milch, und dass in all diesem Angebot kleines Gulasch und Weißwürste fehlen, mag befremdlich erscheinen. Aber das ist derzeit wahrscheinlich gerade nicht cool, was weiß ich ...

Resümee:

Ein weiterer Anwärter auf das kompletteste Frühstück der Stadt, und das erfreulicherweise mit nicht dem immer gleichen Stoff.


Anzeige

Diese Lokale könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige