Cafés, Espressos Italienisch Lokalkritik

Dersut

© Heribert Corn


Italienische Kaffeebar; Kaffeespezialitäten der Rösterei Dersut (Espresso € 1,90), Tramezzini z.B.: Salami, getrocknete Tomaten, Rucola (€ 2,30), sizilianische Bitterlimonaden.

Anzeige

Adresse:
Adresse:
Tuchlauben 22 (Hoher Markt 5)
1010 Wien
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Sa 10–22
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Cafés, Espressos
Küche:
Küche:
Italienisch
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen zum Mitnehmen

Die Römer kommen zurück

Am Exerzierplatz des früheren Lagers Vindobona wird’s gerade sehr italienisch
FLORIAN HOLZER | 11.7.2017

Conegliano, 1949: Elisabetta Gianfrè überredet ihren Ehemann, den Conte Vincenzo Caballini di Sassoferrato, eine kleine Kaffeerösterei namens Dersut zu übernehmen und auf wirtschaftlich gesunde Beine zu stellen. Mit Kaffee kannte sich der Conte aus, schließlich handelte schon sein Vater in Triest mit Rohkaffee, sein Bruder Armando hatte ebendort schon eine eigene Rösterei.

Das Unternehmen gelang, Dersut wurde zu einer der führenden Marken Norditaliens, 2002 begann man mit einer neuen Form der Vermarktung, nämlich Franchise-Kaffeebars, in Italien gibt es zurzeit 135 derartige Botteghe del Caffè, zwei in Deutschland – und seit zwei Wochen eine in Wien.

Der Platz ist nicht schlecht gewählt, die Ankeruhr – magnetischer Anziehungspunkt für italienische Touristen – ist nahe und überhaupt, könnte man sagen, hat das sowieso alles schon einmal Rom gehört: Tuchlauben und Hoher Markt waren schließlich Kernzone des Römerlagers Vindobona.

Wobei die winzige Lokal-Nische wirklich alles andere als militärisch ist und schon gar keine imperialen Ausmaße besitzt, im Gegenteil. Da ist eine Bar, hinter der eine mächtige Kaffeemaschine, vier Kaffeemühlen und eine – wer das wirklich will – Kapselkaffeemaschine Platz finden, und natürlich Gustavo. Der aus Venedig kommt, für Verkauf der Bohnen und deren Verwandlung in Espresso zuständig ist, und er macht auch Tramezzini, weil das in einer italienischen Caffè-Bar nun mal dazugehört.

Die Zutaten hat er säuberlich in einer Vitrine angeordnet und baut daraus je nach Laune des Tages und momentaner Inspiration Tramezzini, wie man sie in Wien schon lange nicht mehr gegessen hat. So ganz richtig, so, dass man aufpassen muss, dass das Brot nicht am Gaumen kleben bleibt, und wo man zuerst durch die weiche Masse beißt, und es in der Mitte dann ein kleines, appetitliches „knack“ macht, in diesem Fall eine knusprige Schicht aus Salami, getrockneten Tomaten und Rucola, mit zitronensäuerlicher Mayonnaise miteinander verschmolzen, herrlich (€ 2,30). Dass der Espresso (80 Prozent Arabica, 20 Prozent Robusta, die klassische Mischung) großartig ist, muss man nicht dazusagen (€ 1,90), dass es aber auch original sizilianische Bitterlimonaden gibt, die so unglaublich sehr nach Italien schmecken, aber schon.

Und lustig: Vorigen Herbst eröffnete Rudi Schlagenhaufen, der davor 27 Jahre lang in Mödling das italienische Lokal Fernbedienung hatte, im Durchgang zwischen Hohem Markt und Landskrongasse seine italienische Wein- und Antipasti-Bar Agrodolce. Etwas versteckt zwar, aber dafür wirkt dieser Durchgang in seinem 50er-Design aus Stein und Marmor fast wie in Mailand.

Tramezzini gibt’s nicht, aber die Antipasti-Platte (mit piemontesischem Schaf-Ziegen-Käse Incavolata!) ist eine der besten in Wien. Die Römer sind wieder da.

Resümee:

Zwei kleine, gute, neue italienische Bars – eine klassische Kaffeebar mit fantastischen Tramezzini, eine elegante Weinbar mit tollen Antipasti.


Anzeige

Diese Lokale könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige