Imbiss Lokalkritik

Punks Imbiss

© Heribert Corn


Unkonventionelles, sehr gutes Essen für kurze Zeit bei den alten Krieau-Stallungen z.B.: kalte Brombeersuppe mit Basilikum, Bohnencreme mit Speck und gebratenen Melanzani-Scheiben (€ 6,50) oder Hühnerherzen-Erdäpfel-Eintopf (€ 7,50).

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Adresse:
Adresse:
Meiereistraße 12
1020 Wien
Website:
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https://www.facebook.com/punks8/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Do–So 18–21 (bei Schönwetter)
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Imbiss

„Aufgewärmtes Essen“

Punks ist nicht tot. Das großartige Lokal lebt bis Ende September in der Creau weiter
FLORIAN HOLZER | 22.8.2017

Es gibt nicht sehr viele Köche, die bereit sind, ihrer Überzeugung zuliebe den Pfad der Konventionen zu verlassen. Und es auch mal darauf anlegen, ein Lokal quasi ohne Investition zu betreiben oder Wickel mit der Bürokratie zu bekommen. Einer dieser ganz, ganz wenigen ist Patrick Müller.

Einigermaßen bekannt wurde er aufgrund der spätabendlichen TV-Serie „Silent Cooking“, Beachtung fand er auch durch sein außergewöhnliches Programm im Strandbad Kritzendorf, die bisherige Krönung seines Schaffens war aber wohl das winzige Lokal namens Punks, eine kleine Weinbar, auf deren Theke er 2015 kurzerhand zwei Induktionsplatten stellte und da so ziemlich das spontanste und lustigste Essen der Stadt kochte. Immerhin funktionierte das ein paar Monate, bis das Marktamt dem einen Riegel vorschob.

Müller kochte inzwischen hie und da, verweigerte zwischenzeitlich einem nicht amtsführenden Stadtrat und seinem Parteichef die Bewirtung, und plötzlich war das Punks wieder da: in einem Container in der sogenannten Creau, einem bis Ende nächsten Jahres währenden Zwischennutzungsprojekt auf dem Gelände der Stallungen der Trabrennbahn, das 2019 – eh klar – zu Bürogebäuden und Luxusapartments gemacht werden soll.

Einstweilen ist es aber noch das Gegenteil davon, und damit wunderschön. Eine Gstätten, auf der TU-Studenten Holzskulpturen bauen, ein Schmied seiner Arbeit nachgeht, Filme gedreht und präsentiert werden. Und Patrick Müller und Anna Schwab das beste für so einen Ort vorstellbare Essen servieren.

Weil sich die beiden die Troubles mit den Behörden diesmal ersparen wollten, bereiten sie ihre Gerichte in einer Profiküche vor, wärmen sie im Container dann nur auf und kombinieren mit frischen Kräutern, Beeren, Tomaten. „Aufgewärmtes Essen halt“, lacht Patrick Müller und zeigt, was man mit einem Bain-Marie alles machen kann. Einen Tomaten-Kraut-Salat mit Pfirsich und Erdnüssen zum Beispiel, fruchtig, säuerlich, köstlich (€ 6,50); oder eine kalte Brombeersuppe mit sagenhaft würzigem Basilikum aus dem Topf, und wenn die wilden Brombeeren von hinterm Container aus sind, kommt halt wilde Zwetschke rein, immer noch die beste kalte Suppe der Saison; oder diese unglaubliche Bohnencreme mit Speck und gebratenen Melanzani-Scheiben, ja bist du deppert (€ 6,50), oder der Hühnerherzen-Erdäpfel-Eintopf, unglaublich gut (€ 7,50), oder schließlich das „asiatische Faschierte“ mit Chili und peruanischem Koriander gewürzt, sehr thai, sehr gut (€ 7,50).

Und dazu gibt’s Prosecco aus dem Fass, einer hat ein kleines Lagerfeuer gemacht, und auf der Bühne singen zwei junge Menschen „Englishman in New York“ zweistimmig mit Gitarre. Ein Hauch von Freiheit. Trügerisch, eh, aber einfach nur wunderschön. Hoffentlich gibt es bis Ende September noch sehr oft schönes Wetter …

Resümee:

Das derzeit beste unkonventionelle Essen der Stadt kommt aus einem Aufwärmtopf in einem Container neben den Pferdeställen.


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