Cafés, Espressos Konditoreien/Bäckereien Lokalkritik

Aida

© Heribert Corn


Aida-Filiale im ehemaligen Café Mentone. Frühstück, übliches Aida-Sortiment, kleine Snacks wie Schinken-Käse-Toast.

Anzeige

Adresse:
Adresse:
Kirchengasse 7
1070 Wien
Telefon:
Telefon:
01/890 89 88-228
Website:
Website:
www.aida.at
www.facebook.com/aidavienna
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Fr 7–19, Sa 8–19, So, Fei 9–19
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Cafés, Espressos, Konditoreien, Bäckereien
Sonstiges:
Sonstiges:
Frühstück

Das Imperium schlägt zurück

Das Café Mentone wurde wieder zu dem, was es einmal war: eine Aida
FLORIAN HOLZER | 30.10.2017

Aida-Filialen werden nicht irgendwo eröffnet. Aida-Filialen befinden sich ausnahmslos in Hochfrequenzlagen, in einer Aida sitzt man nicht lange, einer Aida wohnt eine fast schon italienische Espressodynamik inne.

Außer in der Kirchengasse. Gut, das war auch keine Aida, sondern das Mentone. Beziehungsweise war es früher einmal eine Aida, eine der ersten sogar, eine, in der man 1946 Mehl und Zucker zu Süßspeisen lohnbacken lassen konnte. 1988 übernahm Familie Mählich die Filiale und beließ sie fast so, wie sie war. Mit dem roten Kunstleder, dem roten Linoleumboden, der Vitrine, der Lampe, dem riesigen Wandspiegel, verkaufte auch noch weiterhin Aida-Mehlspeisen, nannte es – Frau Mählich kam aus Frankreich – nach dem malerischen Ort Mentone an der Côte d’Azur, montierte eine rot-weiß-gestreifte Markise vor die Auslage, legte einen enormen Stapel Zeitungen aus aller Welt auf. Und das reichte dann eigentlich schon. Reichte, um aus einer Aida ein wunderbares Existenzialistencafé werden zu lassen, ein magisches Stückchen Südfrankreich, vor allem, wenn sich die Sonne über die Kirchengasse legte und die Markise ihren Schatten warf.

Irgendwann voriges Jahr machte das Mentone dann zu, nach 25 Jahren. In den sozialen Medien herrschte kurz Panik, man suchte hektisch nach potenziellen Betreibern. Vergeblich, die Aida hatte die einstige Filiale längst wieder integriert. Ließ sich mit dem Umbau aber Zeit, was die Ängste schürte, die einzigartige Atmosphäre dieses wundervollen winzigen Cafés könnte zugunsten einer Konditoreifiliale, wie sie derzeit in Shoppingcenters und auf Flughäfen errichtet werden, geopfert werden.

War dann aber zum Glück eh nicht so schlimm. Vor zwei Wochen eröffnete die neue Aida in der Kirchengasse, die Fassade wurde halt grellrosa, die Tische auch, die Bänke bekamen einen neuen Überzug in Braun, der rote Linoleumboden wich Terrazzofliesen. Aber das Holz blieb, die Vitrine blieb, die Lampe blieb und vor allem die Spiegelwand mit der Uhr blieb. Statt des alten Spiegelregals mit den Gläsern und ein paar Flaschen französischer Aperitifs kam halt ein riesiger Schrank, in dem sich jetzt die Torten, Geschenkboxen, Aida-Kaffee-Packerln und sonstige Merchandisingprodukte tummeln, danke, wäre nicht notwendig gewesen.

Man erahnt das Mentone jedenfalls noch, Zeitungen gibt’s allerdings nicht mehr. Dafür viel mehr Mehlspeisen, Frühstück, einen wirklich nicht schlechten Schinken-Käse-Toast mit zu wenig Ketchup aus dem Plastikpackerl (€ 3,90) und ein leider schreckliches Mayonnaiseei mit eingelegtem Paprika (€ 3,90).

Der Kaffee war schon im Mentone eine Qual, das hat sich mit der Wiedereingliederung in die Aida-Familie nicht gebessert. Halten wir aus. Sind froh, dass kein Nagelstudio draus wurde.

Resümee:

Die neueste Aida-Filiale ist da, wo die Konditoreikette früher schon einmal war. Und zwischenzeitlich ein wunderbares Café. Aber es hätte schlimmer kommen können.


Anzeige

Diese Lokale könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige