Luxus Lokalkritik

Brieftaubenkobel - Bar

© Heribert Corn


Pop-up des Taubenkobels in der Alten Post. 2 Menüs (€ 98,–/€ 138,–). Bar (Raucherzimmer).

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Adresse:
Adresse:
Postgasse 8 (Alte Post)
1010 Wien
Telefon:
Telefon:
02684/22 97
Website:
Website:
www.brieftaubenkobel.com
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Sa ab 17.30, Pop-up: bis 22. Dezember 2017.
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Luxus
Sonstiges:
Sonstiges:
Raucherbereich

Kurzes, gutes Gurr Gurr

Der Taubenkobel gastiert in der Alten Post. Und hat dort auch eine Bar
FLORIAN HOLZER | 28.11.2017

Man hatte sich schon daran gewöhnt. An die Viennale-Partys, an die Markterei, ans Take-Festival ... Nur leider gehört das Gebäude, das von 1866 bis 2011 als Post-Zentrale diente, währenddessen zu einer düsteren Bürokratenburg verfiel und in den vergangenen drei Jahren zwischengenutzt wurde, mittlerweile eben dem Investor Michael Tojner.

Der es mit den Brüdern Soravia zu einer gediegenen Innenstadt-Location mit Luxuswohnungen, Luxushotel, Luxus-Hotelrestaurant und Luxusgalerien umbauen will.

So weit, so unerfreulich für Leute, die nicht wahnsinnig großen Bedarf nach Luxus haben. Bis zum Umbaubeginn wird aber noch ein letztes Mal „zwischengenutzt“, durchaus auch luxuriös, allerdings mit Augenzwinkern: Barbara Eselböck und Alain Weissgerber vom legendären burgenländischen Restaurant Taubenkobel veranstalten nämlich bis 22. Dezember in den ehemaligen und nach wie vor ziemlich prunkvollen Konferenzräumen der Alten Post ihren „Brieftaubenkobel“, ein Gourmet-Pop-up, für das altes Silberbesteck und Kristallgläser eingedeckt werden, das Stiegenhaus Kerzenbeleuchtung und Rosenverzierung bekommt, eine junge Frau Harfe spielt und Weissgerber in einer improvisierten Küche ein sechs- (€ 98,–) oder neungängiges (€ 138,–), dezent altmodisch angelegtes Menü mit Trüffel, Kaviar, Gänseleber, Flusskrebs und Bressehuhn zubereitet.

Und sie machen auch eine Bar, in der man weder reservieren noch einen garantierten Hunderter ausgeben, sondern es nur an der jungen Frau vorbeischaffen muss, die einen zum Besuch der Musterwohnung im zweiten Stock überreden will. Geht leicht.

Die Brieftaubenkobel-Bar ist alles andere als prunkvoll, ein kleiner, schmaler, hoher Raum, dessen Wände der Künstler Christian Eisenberger mit Fliegenklatschen besprayte, in dem ein paar Fauteuils von der Caritas hineingestellt und bunte Teppiche ausgelegt wurden (und der als Raucherzimmer für das Restaurant dient).

Doch die Karte hat’s in sich: Die drei Gillardeau-Austern mit „Krenschnee“, einer Art Kren-Granité, und eingelegten Zwiebeln sind fantastisch und leicht zu essen, da schon ausgelöst (€ 13,90), die Wiener Weinbergschnecken in brodelnd heißer Kräuterbutter waren auch super, hätten aber nicht so winzig sein müssen (€ 14,90).

Bei der sämigen Flusskrebsen-Cremesuppe, die aus einem Porzellankrug über die zartrosigen, ausgelösten Krebse gegossen wird, ist man dann schon nahe am Hauptprogramm in den Prunksälen (€ 8,90) und einen Salat von Puntarelle (wilder Brokkoli, sieht ähnlich aus wie grüner Spargel) mit Anchovis bekommt man in Wien sonst auch nicht so oft (€ 10,90).

Die Bar ist alles andere als ein Abklatsch, sie ist etwas Eigenes, Schräges, Lustiges. Und an Getränken bekommt man hier übrigens das Gleiche wie drüben im Festsaal.

Resümee:

Der Brieftaubenkobel ist das bisher luxuriöseste Pop-up dieses Jahres und bietet erfreulicherweise auch eine unkomplizierte Zweitlinie an. Ein Abschied von der Alten Post.


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