Restaurant/Gaststätte Lokalkritik

Watertuin

© Katharina Gossow


Riesiges Lokal nach einem niederländischen Franchise Konzept. All-you-can-eat, bezahlt wird nach Zeit (Mittags 1 Std. € 14,–; 2 Std. € 19,–/Abends € 23,– bzw. € 31,–). 13 Stationen mit allen möglichen Speisen; Asiatisch, Steaks, Hummer, Fisch, Pizza, Pasta etc.

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Adresse:
Adresse:
Etrichstraße 23
1110 Wien
Telefon:
Telefon:
01/767 14 97
E-Mail:
E-Mail:
office@watertuin.at
Website:
Website:
www.watertuin.at
https://www.facebook.com/watertuinvienna/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Mo–Fr 12–16 und 17–22, Sa, So, Fei 12–22
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Gaststätten, Restaurants, Beisln
Sonstiges:
Sonstiges:
All you can eat, Essen am Sonntag

Iss schneller, Liebling!

Wien hat ein neues größtes Lokal. Es ist faszinierend und absurd zugleich
FLORIAN HOLZER | 12.12.2017

Gigantomanie ist naturgemäß beeindruckend. Und das neue Watertuin ist sehr, sehr, SEHR gigantisch: Die von den Betreibern der Ebi-Lokale vor einem Monat eröffnete Filiale einer niederländischen Franchise-Kette befindet sich am südöstlichsten Winkel Wiens, knapp vor Schwechat; es ist in einer etwa 2500 Quadratmeter großen Halle untergebracht, in der vorher ein Textildiskonter gut Platz hatte; es besitzt einen Parkplatz, der so groß ist wie der eines Textildiskonters am Stadtrand; es hat an die 1000 Sitzplätze und 13 Verabreichungsplätze; und man kann hier zu einem Pauschalpreis essen und trinken, so viel man will und kann. Es ist absolut irre.

Der entscheidende Unterschied zu anderen All-you-can-eat-Modellen besteht darin, dass man statt einer Pauschale ein Zeitbudget erwirbt: 14 Euro für eine Stunde zu Mittag, 19 Euro für zwei, 23 Euro für eine Stunde am Abend, 31 für zwei. Man betritt das Lokal im Sporthallenformat über eine Schleuse, zahlt die gewünschte Verbleibdauer, bekommt einen Lageplan und ein Zetterl mit Start- und Endzeit.

Und dann ist man in diesem Hangar, versucht zuerst einmal, Orientierung zu gewinnen, scheitert zwangsläufig, bekommt leichten Stress, weil man glaubt, die Zeit läuft einem davon. Die 13 Küchen und Verabreichungsplätze bieten auf dem Raum zweier Tennisplätze gegrilltes Fleisch, gegrillten Fisch, Pizza und Pasta, Vorspeisen-, Hauptspeisen und Dessertbuffets, eine Sushi-Abteilung, ein Suppenbuffet, ein Asia-Buffet, einen Weinzapfhahn, einen Bierzapfhahn, Getränkekühlschränke …

Gesessen wird in einer Art Indoor-Pagode (die von einem Wassergraben umgeben ist, in dem wirklich sehr viele, sehr große Koi-Karpfen schwimmen) oder ebenerdig oder jenseits der Küchen.

Natürlich nimmt man am Anfang zu viel und die falschen Sachen. Entdeckt, dass es bei einem Standl Hummer gibt (maximal ein halber pro Person), lässt ihn grillen, geht einstweilen zum Fleisch, der Hummer wird wieder kalt …

Und natürlich ist auch nicht alles gut. Die Hummer sind winzig, von den Austern würde ich abraten, die Steaks vom Rostbraten oder vom Lamm sind katastrophal geschnitten, strotzen nur so vor Flachsen, bei der Zubereitung des T-Bone-Steaks ist man verleitet, den Herren am Grill Tipps zu geben. Was aber sinnlos ist, sie wollen oder müssen Fleisch offenbar totbraten.

Aber es ist auch nicht alles schlecht. Wok-Station und Sushi entsprechen dem Standard von asiatischen Restaurantketten, die Vorspeisenbuffets sind bei Firmenweihnachtsfeiern nicht besser, und ob die Flusskrebse zum Verzehr oder zur Dekoration dienten, weiß ich nicht genau, sie waren jedenfalls okay. Gourmets und Freunde der Nachhaltigkeit sind nicht die Zielgruppe. Als Student hätte ich das Watertuin wahrscheinlich super gefunden …

Resümee:

Ein neues Restaurant, das schlichtweg alle Dimensionen und Regeln sprengt, die wir von Wiener Restaurants kannten. Sehr.


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