Stadtheurige Lokalkritik

Winzerkönigin

© Heribert Corn


Weinlokal, Vinothek; belegte Brote, hausgemachte Aufstriche. Schanigarten mit Bäumen. Für Veranstaltungen zu mieten.

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Adresse:
Adresse:
Wiedner Hauptstraße 40–42
1040 Wien
Telefon:
Telefon:
0699/17 86 89 85
E-Mail:
E-Mail:
weinschenke@winzerkoenigin.at
Website:
Website:
www.winzerkoenigin.at
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
7. bis 6. August Di–Fr 15–21 (Fei geschlossen) (Mo, Sa, So geschlossen)
Lokaltyp:
Lokaltyp:
Stadtheurige
Sonstiges:
Sonstiges:
Schanigarten

Rücklehne hoch, Liptauer essen

Eine ehemalige Stewardess und Bord-Sommelière ist die neue Winzerkönigin
FLORIAN HOLZER | 30.4.2018

In der Stadt genießen Weinköniginnen ja kein so besonders hohes Ansehen. Abgesehen davon, dass man sie auf der Straße kaum erkennen würde, waren da noch diese Gerüchte mit dem Landeshauptmann. Insgesamt also alles eher provinziell, Folklore.

In den Weinbauregionen schaut das anders aus, da sind Weinköniginnen Personen des öffentlichen Lebens, durchschneiden Bänder, nehmen repräsentative Aufgaben wahr, werden respektiert. Und Eleonore Fruhstuck aus Königsbrunn am Wagram war 1955 Österreichs erste Weinkönigin, setzte sich beim Bewerb damals als Tochter eines Tierarztes gegen Winzer-Töchter durch und trug zwei Jahre lang stolz den Namen Eleonore I. 1966 übernahm sie ein kleines Lokal in der Wiedner Hauptstraße, das sie folgerichtig Winzerkönigin nannte, führte es bis ins Jahr 2000, nach der Übernahme versandelte das pittoreske Weinstüberl zusehends, diente als Früh-Tankstelle für Wirkungstrinker, schloss dann vor ein paar Jahren irgendwann.

Seit ungefähr einem Monat hat die Winzerkönigin wieder offen, wenngleich die jetzige Betreiberin weder aus einem Weinbaubetrieb stammt noch Tochter eines Tierarztes ist und schon gar nicht Winzerkönigin. Andrea Authried war vielmehr 16 Jahre lang Flugbegleiterin und Bord-Sommelière und ist ausgebildete Fitness- und Gesundheitstrainerin. Sie lebt in dem Haus, in dem das Winzerkönigin-Lokal jahrelang vor sich hinsiechte (und in dem Eleonore Fruhstuck, heute 82-jährig, übrigens auch noch wohnt). Als sie dem Hausbesitzer vorschlug, die Location für Wellnesszwecke zu nutzen, war der dagegen, das Winzerkönigin-Lokal wiederzubeleben fand er aber gut.

Und so geschah es. Andrea Authried griff bei der Gestaltung auf all jene Elemente zurück, ohne die es heute offenbar nicht mehr geht, also spanische Zementfliesen auf dem Boden, eine weiß gekachelte Theke, reichlich rohes Holz und natürlich Kreidetafeln – austauschbar, aber durchaus adrett. Das Atout der aktuellen Winzerkönigin – Portal und Fassade blieben zum Glück unverändert 60er-Style – ist natürlich der Schanigarten unter den schattigen Linden der Wiedner Hauptstraße. Dass der neu ist, merkt man übrigens daran, wie irritiert einem die Passanten auf den Teller starren.

Dabei ist das alles andere als ungewöhnlich, was da zu liegen kommt: brave Schinkenbrote mit bravem Beinschinken vom Großbetrieb (€ 3,50), brave selbstgemachte Aufstriche – ein guter Curry-Ei-Aufstrich, ein netter Blaukraut-Kren-Aufstrich und ein Liptauer, der leider nicht mit Brimsen gemacht wurde (€ 5,90) – und Schinkenkipferln. Ein bisschen mehr Pfeffer könnte das Sortiment da schon noch vertragen. Immerhin: Es gibt hier nur Weine, die nicht im Großhandel oder Supermarkt erhältlich sind und beim Keltern der beiden Hausweine hilft Andrea Authried sogar mit – mal sehen, vielleicht wird das ja noch was mit dem Titel.

Resümee:

Ein neues, zeitgeistig gestyltes Wein-Lokal, das sich ein bisschen als städtische Buschenschank versteht. F


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