Französisch Lokalkritik

Midi – Café & Bistrot

© Heribert Corn


Französisches Bistro mit französisch-mediterranen Gerichten; Quiches, Burger, Flammkuchen, Ratatouille mit pochiertem Ei, Taboulé mit Minze, Granatapfelkernen, Melanzani (€ 8,60), boeuf bourguignon (€ 12,60). Am Wochenende 9–15 Brunch. Lokal für bis zu 100 Pers. mietbar.

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Adresse:
Adresse:
Wipplingerstraße 30
1010 Wien
Telefon:
Telefon:
0650/348 73 09
E-Mail:
E-Mail:
office@midi.at
Website:
Website:
www.midi.at
https://www.facebook.com/midi.le.petit.deli/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
täglich 8.30–22
Küche:
Küche:
Französisch
Sonstiges:
Sonstiges:
Brunch, Essen am Sonntag

Französisch turnen

Im Fitnesscenter gibt’s einmal nicht Quinoa Bowl, sondern Bœuf bourguignon
FLORIAN HOLZER | 5.6.2018

Angeblich ist ja „strong the new skinny“, behauptet die Frauenzeitungspropaganda bzw. Influencerinnen, die diesen Job der Meinungsmanipulation ja mittlerweile übernommen haben. Soll sein, denn wer „strong“ sein will, muss dem Körper schließlich Proteine, Ballaststoffe, Kohlenhydrate und Fettsäuren zukommen lassen, früher unter der Bezeichnung „Essen“ bekannt, und das kann auf keinen Fall schlecht sein. Es kann höchstens ein bisschen fad und ein bisschen unlustig sein, nämlich wenn dann wieder einmal in guter alter, katholischer Büßermentalität nur auf Funktionalität der Ernährung geachtet wird und nur irgendwelche obskuren Superfoods gereicht werden.

Das muss im neuen Lokal des City-Edelturnvereins Holmes Place wohl kaum befürchtet werden, denn dabei handelt es sich um das Midi Café & Bistrot, eine Filiale des im Herbst 2015 eröffneten kleinen französischen Take-aways am Hohen Markt. Nachdem die bisherigen (sehr häufig wechselnden) Cafés im Holmes Place mit ihren beliebigen mediterran-asiatischen Superfood-Küchen alle irgendwie keinen so besonders starken Eindruck hinterlassen hatten, dachte man sich offenbar, okay, jetzt also einmal etwas ganz anderes, etwas mit ordentlich Butter, Fleisch, Käse, Wein und Weißbrot, etwas Französisches.

Wobei: So hardcore französisch gehen es Guilhem Baribeaud und sein Kompagnon Pessah Yampolsky dann eh nicht an, also eh keine gesottenen Innereien, keine im Schmalz gegarten Enten und keine mit Darm und Magen gefüllten Andouillette-Würste (schade!), sondern mehr die mediterrane, ein bisschen nordafrikanische Linie, „zugänglich halt“, wie Guilhem Baribeaud erklärt.

Und natürlich ein paar unverzichtbare Klischees à la Quiche, Flammkuchen, Salat mit Chèvre chaud, und sollte etwas nicht ganz so französisch sein, wie zum Beispiel das Club-Sandwich, dann ist es halt „Le Club-Sandwich“ (sah am Nebentisch übrigens großartig aus).

Ratatouille mit pochiertem Ei war leider aus, und von den beiden Quiches gab’s nur noch die vegetarische Variante mit Walnüssen, Bergkäse und Marille, war jetzt nicht so toll (€ 8,60), allerdings ist die Taboulé dafür umso toller. Die macht Pessah Yampolsky ein bisschen neoisraelisch, also mit Minze und recht viel Granatapfelkernen, außerdem noch mit gebratener Melanzani und sehr guten Falafeln, sieht hübsch aus, schmeckt großartig (€ 8,60).

Und dann gibt’s – für ein Fitnesscenterlokal wirklich untypisch – Bœuf bourguignon mit dunkler, schöner Sauce, reichlich Speck und Champignons, köstlich und für die Portionsgröße und Rindfleischqualität auch recht günstig kalkuliert (€ 12,60). So lässt sich’s gut strong werden. Apropos strong: Der Bordeaux stammt aus dem kleinen Familienweingut Baribeauds am Rande des Sauternes und trinkt sich wunderbar unkompliziert.

Resümee:

Ein neues Lokal in einem Fitnesscenter mit doch etwas ungewöhnlichem Angebot: französisches Schmorfleisch und Bordeaux.


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