Thailändisch Lokalkritik

Bangkok Station

Foto: Heribert Corn


Thailändische Küche (HS € 5,60 bis € 14,90): z.B. Thai-Frühlingsrollen (€ 5,60) oder Hühnerspieße in Erdnusssauce (€ 7,20). Kaffee, Tee; Bier und Wein (sowohl thailändische als auch österreichische Sorten). Jeden So um 10 Schnapsen. WLAN. Kochkurse auf Anfrage. Feiern bis 15 Pers. möglich. Gastgarten.

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Adresse:
Adresse:
Knabstraße 4
3013 Tullnerbach
Telefon:
Telefon:
0660/999 99 60
E-Mail:
E-Mail:
thai.info@gmx.net
Website:
Website:
www.bangkok-station.at
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
Di–So 11–21.30, warme Küche bis 21
derzeit geschlossen
Küche:
Küche:
Thailändisch
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag, Essen zum Mitnehmen, Gastgarten, Kochkurse, Nichtraucherlokal, WLAN

Nächster Halt: Bangkok

Noch einmal Thailand. Im Buffet einer Provinz-Bahnstation
FLORIAN HOLZER | 21.8.2018

Wenn wer eine Wurstsemmel oder eine Schnitzelsemmel will, dann sag ich: ,Bekommst du beim Billa, da drüben.‘“ Jantima Maurer, zu der alle Meo sagen, zeigt zum anderen Bahnsteig hinüber, „wir müssen stark sein“.

Als Meo vor sechs Jahren das Bahnhofsbuffet in Tullnerbach-Pressbaum übernahm, gab es hier nämlich nur Wurst- und Schnitzelsemmeln, wie bei Bahnhofsbuffets eben üblich. „Österreichische Küche halt“, meint die fröhliche Frau mit einem nur ganz bisschen verächtlichen Unterton. Sie hatte davor schon im Ra’mien und im Yellow gekocht. Bei einem gemeinsamen Essen mit Freunden wurde sie gefragt, ob sie nicht dieses Buffet einer Bahnstation in der Provinz übernehmen wolle. Die Besichtigung sei gar nicht so leicht gewesen, erzählt sie. Den modernen Fußgänger-Übergang gab’s damals noch nicht, und wie man zum Bahnsteig 2 kommt, ist für Nicht-Tullnerbacher mitunter ein unlösbares Rätsel.

Und dann übernahm sie tatsächlich das Buffet am Bahnhof Tullnerbach-Pressbaum. Sie pflanzte Chili und Basilikum in Töpfen hinter dem Wartehäuschen, sie stellte ein paar Sonnenzelte auf, montierte ein paar Blumentöpfe und schon erwachte ihre Bangkok Station in der 1960er-Jahre-Bahnsteigs-Baracke aus Waschbetonziegeln und vergilbtem Milchglas zum Leben. Mittlerweile hat es Meo im Wiener Umland schon zu einer gewissen Berühmtheit gebracht, sogar aus Klosterneuburg kämen Gäste extra her, erzählt sie stolz. Warum es bei der ÖBB-Stationsbeschreibung des Bahnhofs heißt „Restaurant/Cafe: nein“, man weiß es nicht.

Die Bangkok Station hat einen Hauptraum, das Buffet-Zimmer, da steht ein massiver, schöner, unzerstörbarer und wohl ebenfalls noch aus den 1960er-Jahren stammender Holztisch drin. Dann ein kleines Extrazimmer und den Garten mit den Zeltdächern. Der beste Tisch aber ist der direkt beim Eingang, quasi am Bahnsteig. Die Karte ist natürlich nicht ganz so exzentrisch, wie das bei den extra-authentischen Thais in Wien möglich ist, die Zutaten beschränken sich auf das, was man in Tullnerbach eben bekommt. Aber auch damit kann man fein thailändisch kochen. Selbst gemachte, winzige Thai-Frühlingsrollen zum Beispiel, zur Hälfte mit weißem, zur Hälfte mit Rotkraut gefüllt, heiß, fettig, knusprig und gut (€ 5,60). Die Hühnerspieße sind in Kurkuma mariniert und saftig gebraten, die Erdnusssauce ist tadellos (€ 7,20). Das Thai-Faschierte mit Koriander ist das, was der Name sagt, viel gebratenes Faschiertes mit ein bisschen Gemüse und grünem Koriander, einfach, Streetfood halt, in diesem Fall eher Railfood (€ 8,90). Und wenn gerade Tom Yam Gung übrig ist oder sonst irgendwas, dann wird einem das einfach auf den Tisch gestellt, aufs Haus. Da kann man sich zwar nicht drauf verlassen, die 18 Minuten REX ab Wien West beziehungsweise 27 Minuten S50 ist das aber allemal wert.

Resümee:

Es gibt im Wiener Umland eine Bahnstation, da wird thailändisch gekocht. Und das ist ein Grund, dort auszusteigen.

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