Türkisch Lokalkritik

Berliner Grillrestaurant

© Heribert Corn


Lokal des "Berliner Döner" Besitzers. Türkische Spezialitäten wie Linsensuppe mit Sumac und Minze (€ 3,50), Adana-Kebap mit allerlei Beilagen (€ 12,50) etc.

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Adresse:
Adresse:
Zieglergasse 35
1070 Wien
Telefon:
Telefon:
0699/10 37 86 10
Website:
Website:
https://www.facebook.com/BerlinerRestaurant/
Öffnungszeiten:
Öffnungszeiten:
täglich 8–24
Küche:
Küche:
Türkisch
Sonstiges:
Sonstiges:
Essen am Sonntag

Ick bin ain ...

Der erfolgreichste Döner-Stand der Stadt hat jetzt auch ein Restaurant
FLORIAN HOLZER | 11.9.2018

Erinnert sich noch wer daran, wie vor ein paar Jahren Schlangen vor der Dunkin’-Donut-Filiale auf der Mahü standen? Die gingen bald danach ja wieder pleite, las man. Oder diese Streetfood-Trucks, vor denen sich die Leute vor drei Jahren noch eine Stunde lang anstellten. Schlendert man heute durch so genannte Streetfood-Festivals, sind da zwar massenhaft Trucks, aber halt keine Menschenschlangen mehr. Die Vermutung liegt nahe, dass es den Millennials eher mehr ums Anstellen ging als um das, was dann am Ende der Schlange zu haben war.

An einer Adresse muss man nach wie vor in die Reihe: Zieglergasse 33a, Berliner Döner.

Ein interessanter Fall: Hier formierten sich ein gentrifiziertes Umfeld, Berliner Sehnsuchtsfantasien und ein kleines bisschen Falschinformation zu einem veritablen Hype. Und auch, wenn der Döner hier wirklich sehr gut ist und aufgrund des hohen Umsatzes auch saftig und frisch – mit Berlin hat er nicht viel zu tun. Karakülah Nimetullah, der in Ortaköy auf die Welt kam und zehn Jahre im Naschmarkt Deli arbeitete, nannte seinen Stand 2015 so, weil der Kebab-Sandwich als solches höchstwahrscheinlich im Berlin der 70er-Jahre erfunden wurde. Und das Lammfleisch kommt aus Deutschland, weil es gut und billig und halal ist, erklärt Karakülah, nicht aber aus Berlin. Der Name war jedenfalls genial gewählt, der Laden brummt, die Stimmung rund um das Standl ist prächtig, der Service erstklassig, die Sandwiches aus selbst gebackenem Brot sind super.

Und jetzt machte er gleich daneben auch noch ein Restaurant auf. Eineinhalb Jahre dauerte der Umbau des ehemaligen Schnitzel-Diskonters in eine schlicht-schöne türkische Taverne mit großen Fenstern, grauem Boden, rustikalem Holzmobiliar und einem orientalischen Luster im Eingangsbereich. Döner-Grill gibt’s hier keinen, die Hitze stammt von einem Lavastein-Grill, das Sortiment ist umfangreich, aber einstweilen noch etwas konservativ – nichts, was man in anderen türkischen Grillrestaurants nicht auch bekäme. Eine brave Linsensuppe mit Sumac und Minze (€ 3,50), eine aus frittiertem Gemüse und einem übergroßen Zigarettenbörek bestehende Vorspeisenplatte (€ 8,50), routiniert gegrilltes Adana-Kebab mit allerlei Beilagen, das jedoch ein bisschen fade geriet (€ 12,50).

Allerdings: Karakülah hat vom Naschmarkt den Thailänder Anati
Petzke mitgenommen, der schon im Mangostin, bei Do & Co und im Schwarzen Kameel gekocht hatte und seit 2007 als Küchenchef im Fischrestaurant Nautilus fungierte. Mit seiner Hilfe soll die Karte einen dezenten Drall in Richtung Gemüse, Fisch und Individualität bekommen.

Ob das genauso gut funktionieren wird wie beim Kebab-Stand, bleibt abzuwarten. Und ist letztlich egal. Denn einen guten Türken kann die Zieglergasse nämlich allemal noch brauchen.

Resümee:

Ein erfolgreiches Imbiss-Konzept wird erwachsen und zum Restaurant. Das ist zwar nicht ganz so unmittelbar, aber dafür sitzt man im Trockenen.


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